Fuldaer Zeitung: Leserbrief zum neuen Kopftuchurteil „Da schwingen Vorurteile mit“

„Da schwingen Vorurteile mit“ (Leserbrief) –  Zum Kommentar „Eine Klagewelle droht“ von Johannes Heller (14. März, Seite 4) und zum Leserbrief „Richter haben falsch entschieden“ von Ingrid Koch (17. März, Seite 4) in der Fuldaer Zeitung.

Es war klar, dass nach dem neuen Kopftuchurteil neben einer Welle der Hoffnung von muslimischen Lehrerinnen zugleich auch aus einer anderen Ecke eine Welle der Angst und Empörung auf uns zurollen würde. Da werden Probleme mit Musliminnen vorausgesagt, die zukünftig ihr Recht einfordern werden. Und dann wird gewarnt vor „ungutem Druck“, den Halbwüchsige, die mit Terroristen sympathisieren, auf eine muslimische Lehrkraft ausüben könnten. Entschuldigung, das ist nicht nur realitätsfremd, sondern das größere Problem hierbei wäre wohl mehr die pädagogische Qualifikation der Lehrkraft und weniger deren Kleidung und schon gar nicht die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Hier schwingt das schon vielfach widerlegte Vorurteil mit, muslimische Frauen würden zum Kopftuch gezwungen. Richtig ist, dass man das nie vollkommen ausschließen kann, aber es gibt auch muslimische Eltern, die Druck auf ihre Töchter ausüben, das Kopftuch gerade nicht zu tragen. [Da konnte ich noch keine Aufschreie aus der Bevölkerung hören. Eine seltsame Doppelmoral wie mir scheint. Die gleiche Kerbe übrigens, in die auch Frau Kochs Leserbrief schlägt.] Da wird Emanzipation gefordert und wenn selbstbewusste muslimische Frauen sich für ihre Religion und das Kopftuch entscheiden, ist es plötzlich ein „Unterjochungsmechanismus“. Habe ich Sie richtig verstanden? Wenn eine Frau sich aus freien Stücken für einen Lebensstil entscheidet, der nicht Ihren Vorstellungen entspricht, dann ist sie auch nicht emanzipiert? Wenn Männer Frauen unterdrücken, dann ist es egal, ob mit oder ohne Kopftuch. So hat hierzulande jede vierte Frau bereits häusliche Gewalt erfahren. Aber das liegt wohl auch an der Islamisierung des Abendlandes, oder?

ABGEDRUCKT in der Fuldaer Zeitung vom 23. März 2015 unter dem Titel “Da schwingen Vorurteile mit” (in leicht abgeänderter, gekürzter Form)

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Fuldaer Zeitung: Leserbrief „Unsachlicher Vergleich“

„Unsachlicher Vergleich“ (Leserbrief) –  Zum Leserbrief „Zu Mohammed gehört Gewalt“ von Ferdinand Rauch aus Poppenhausen, in der Fuldaer Zeitung vom 21.01.2015, Seite 4

Die Propheten Jesus und Muhammad vergleichen zu wollen, ist nicht nur unangebracht, sondern so, wie Herr Rauch dies tat, auch ziemlich unsachlich. Aus religiöser Sicht verbietet sich mir als Muslim ohnehin die Frage einer eventuellen Wertigkeit. Kein Prophet ist besser als ein anderer, denn sie alle führten nur den Auftrag Gottes aus. Aus gesellschaftlicher Sicht lässt sich allerdings feststellen, dass die Rollen der beiden Propheten unterschiedlicher nicht hätten sein können. Muhammad war nicht nur Gründer einer neuen Religion, sondern in der Folge auch Oberhaupt eines ganzen Volkes, das von einer Übermacht polytheistischer Araber mit Waffengewalt angegriffen wurde. Jesus hingegen war weder Gründer einer Religion, sondern ein jüdischer Prophet innerhalb des mosaischen Gesetzes, noch führte er ein Volk an. Auch sorgte die Römische Besatzungsmacht dafür, dass Jesus nicht so einfach für vogelfrei erklärt werden konnte. [Hierzu bedarf es dann größeren Aufwands.] Während Jesus also lediglich Verantwortung für sich und seine Botschaft trug, war Muhammad seinem Volk verpflichtet. Und trotzdem erduldeten er und die junge muslimische Gemeinde Jahre lang verbale und körperliche Angriffe. Erst als es zu Ermordungen kam und die Muslime trotz Auswanderung aus Mekka verfolgt wurden, kam es auch seitens der Muslime zu Kampfhandlungen. Wenn man diese Verteidigung als „unmenschlich“ bezeichnet, stellt sich doch die Frage, warum alle Staaten der Welt in solchen Fällen nicht dem Vorbild Jesu folgen und die andere Wange hinhalten? Die Antwort ist eindeutig: Weil dies eine völlig andere Situation ist. Auch ist es eine Frechheit zu behaupten, Koran und Prophet dürften im Islam nicht kritisiert werden, [wo Koran- und Hadithwissenschaften, sowie die Tafsirwissenschaft schon zur Lebzeit des Propheten einsetzten und im Gegensatz dazu die Bibelexegese doch erst mit der Aufklärung einsetzte.] Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte niemanden daran hindern, sich kritisch mit dem Islam auseinanderzusetzen, im Gegenteil; doch folgen Sie dabei bitte nicht nur den Argumenten anti-westlicher Extremisten.

 

ABGEDRUCKT in der Fuldaer Zeitung vom 29. Januar 2015 unter dem Titel “Unsachlicher Vergleich” (in leicht abgeänderter, gekürzter Form)

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Der ideale Islamische Staat ist säkular!

Wir befinden uns in einer Zeit, in der eine Terrororganisation namens „Islamischer Staat“ vorgibt, einen solchen errichten zu wollen. Dies versucht diese Terrororganisation vor Allem dadurch zu erreichen, indem sie Angst und Schrecken unter all den Personen zu verbreiten sucht, die nicht ihrer Ideologie folgen. Unabhängig davon, ob Muslim, Jude, Christ oder Atheist, werden all jene Menschen unterworfen, ausgebeutet und/oder ermordet, die sich den Regeln dieser Terrororganisation und ihrer diktatorischen Staatsauffassung nicht zustimmen. Viele einfache Muslime, aber auch muslimische Gelehrte und Intellektuelle, haben diese Terrororganisation deshalb bereits als völlig unislamisch entlarvt. Das prominenteste Beispiel hierfür war wohl der „Offene Brief“ an die IS und ihren Anführer Al-Baghdadi (hier auch in deutscher Sprache).

Tatsächlich offenbart sich an dieser Terrororganisation auch ganz deutlich das Verhältnis zwischen Religion und Staatsgewalt, denn eine in einer Staatsverfassung verankerte Ideologie oder Religion wird immer diejenigen bevorzugen, die ihr angehören und die benachteiligen, die ihr nicht angehören. Genau das lässt sich auch in zahlreichen sogenannten „islamischen“ Ländern heute beobachten. Dabei werden gerade von diesen „islamischen Ländern“ auch wichtige islamische Richtlinien missachtet oder mit Füßen getreten, wie z.B. die Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit oder Gerechtigkeit.

Dieser Missstand hat schon manchen Muslim dazu veranlasst, die Staatsauffassung westlich geprägter Länder und Staaten als muslimischer einzustufen als im Vergleich zu ihren „islamischen“ Gegenübern. Weiterlesen

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Ich habe eine Frage zum Bilderverbot im Islam, Herr Qasir.

Der Anschlag auf das französische Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ hat neben dem Verhältnis von Islam und Terrorismus, sowie dem Umgang mit Blasphemie auch weitere Fragen aufgeworfen. So beispielsweise auch das Bilderverbot im Islam, worauf mich heute auch ein Freund und Lehrerkollege angesprochen hatte.

Ich werde versuchen, diese Frage kurz zu beantworten und erhebe deshalb keinen Anspruch auf Vollständigkeit und werde wohl auch wissenschaftlichen Quellen nicht in ausreichendem Maße gerecht werden können, da mir die notwendige Zeit fehlt – aber in der Kürze liegt ja bekanntlich oftmals die Würze…

Türkische Buchmalerei aus dem 16. Jahrhundert (Quelle: Wikipedia.de)

Zunächst einmal bleibt festzuhalten, dass der Anschlag auf „Charlie Hebdo“ eigentlich mit dem Bilderverbot im Islam überhaupt nichts zu tun hat, auch wenn das vielleicht den Anschein haben mag. Hierbei ging es um Blasphemie und diesen „Irrtum“ habe ich bereits an anderer Stelle behandelt.

Das angebliche Bilderverbot im Islam bezieht sich auf die Darstellung von Gottheiten und Götzen. „Angeblich“ deshalb, weil es eigentlich im Islam gar kein Verbot von Bildern und Malerei gibt. Im Gegenteil, im Koran findet man nirgends ein Verbot und in Sure 34, Vers 14 wird sogar von Künstlern berichtet, die im Auftrag des Propheten Salomo (Friede sei auf ihm) selbst Bildsäulen und ähnliches anfertigten – und das ausdrücklich unter Allahs Wohlgefallen. Auch sollen die Muslime alle Eigenschaften Allahs in sich verinnerlichen und eine dieser Eigenschaften (oder Namen) ist „Al-Musawwir“ (der „Bildner“). Hinzu kommt, dass die islamische Kultur voll ist von Bildern, Gemälden und Darstellungen – auch des Propheten Muhammad (Frieden und Segnungen Allahs seien auf ihm).

Allerdings – und das ist nämlich der eigentliche Kern des „Bilderverbots“ – werden die Muslime immer wieder angehalten, sich neben dem Einen Gott, Allah, keine weiteren „Götter“ zu nehmen. Und da in vielen Religionen die Menschen selbstgemachte Götzenbilder und Idole anbeteten, bezieht sich das Bilderverbot in erster Linie hierauf. Allerdings betrifft das nicht nur die üblichen Götzendarstellungen, sondern auch die Verehrung/Anbetung von Menschen, Geld, Erfolg, Ansehen, etc. – auch diese können sich Menschen zum Götzen machen. Kurzum: Es geht beim „Bilderverbot“ um die Sicherstellung des Einheitsglaubens (Tauhid). Der Sinn dieses Einheitsglauben wiederum liegt (eigentlich) darin, dem Menschen Unabhängigkeit und Freiheit zu ermöglichen; doch hierzu habe ich bereits an anderer Stelle mehr geschrieben.

In seiner extremen Auslegung bezieht sich das Bilderverbot neben der Darstellung von Götzen aber auch deshalb auf die Darstellung von Menschen, Tieren oder anderen Lebewesen, weil es in den Religionen der Menschheit vorkam, dass eben Tiere oder Geister angebetet wurden (z.B. das goldene „Kalb“, etc.) oder Gesandte Gottes von ihrem einstigen Prophetenstatus von den Menschen im Nachhinein zu „Göttern“ gemacht wurden (z.B. Krishna im Hinduismus oder die Asen – Odin, Thor, etc., in der nordischen Mythologie). Es kann also eine Entwicklung von der „normalen Darstellung“ zum „angebeteten Götzen“ geben. Es lässt sich aber darüber streiten, ob diese extreme Auslegung, die sozusagen mit einem theoretischen „Weitblick“ auf zukünftige Entwicklungen, nicht an dem eigentlichen Sinn des Verbots vorbeigeht und die Menschen hierdurch nicht ihrer eigentlichen Freiheit beraubt, anstatt diese zu schützen. Es kommt – wie immer – auf die goldene Mitte an: Ge- und Verbote (1.) verstehen und (2.) diesem Wesen gemäß handeln!

Die Darstellung von Propheten im Allgemeinen und des Propheten Muhammad im Besonderen (Frieden und Segungen Allahs sei auf ihnen allen) unterliegt aber besonderer Aufmerksamkeit – und damit auch einer Art von „Bilderverbot“, welches jedoch sehr vaage ist. Propheten sind keine einfachen Menschen und eine Abbildung selbiger kann niemals objektiv oder real sein (außer bei einem Foto, das es aber nicht gibt) und folglich würde ein Bild die Propheten entweder extrem glorifizieren, sodass es (wie oben beschrieben) zu einer Art von „Götzendienst“ kommen könnte oder aber in negativer Art und Weise verzerren, wodurch die Heiligkeit des dargestellten Propheten beschädigt werden könnte. Deshalb sind sich nahezu alle islamischen Gelehrten einig, dass es unislamisch ist, Propheten in Gemälden abzubilden, weshalb es in der islamischen Kunst nur Umrisse oder Andeutungen z.B. des Propheten Muhammad (Frieden und Segnungen Allahs seien auf ihm) gibt, bei denen das Gesicht nicht zu sehen ist.

ABER: Natürlich gilt das islamische Bilderverbot nur für Muslime. Und es ist seltsam, dass man das überhaupt erwähnen muss, aber für Nicht-Muslime sind islamische Ge- und Verbote natürlich nicht bindend. Wenn diese Propheten bildlich darstellen, dann ist das ihr eigenes Problem, welches ich als Muslim natürlich ansprechen und verurteilen kann (und dies auch tue); eine weltliche Strafe gibt es hierfür allerdings nicht – die gibt es ja nicht einmal für Muslime, die gegen das Bilderverbot verstoßen! Und so kann das „islamische Bilderverbot“ folglich auch nicht für jüdische, christliche oder atheistische Satiriker aus Frankreich gelten. Obwohl z.B. Charlton Heston als Moses in dem wenngleich guten Film „Die 10 Gebote“ tatsächlich mein Verhältnis zum Glauben eher gestört, denn gestärkt hat.

Aber wie gesagt, im Fall des Anschlags auf „Charlie Hebdo“ ging es auch mehr um die Problematik der Gotteslästerung/Blasphemie, wenngleich es auch da im Islam keine weltliche Strafe gibt!

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Der Anschlag auf „Charlie Hebdo“ – Großes Leid und falsche Schlussfolgerungen

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Am Mittwoch, dem 07. Januar 2015 drangen zwei Terroristen in die Redaktion des französischen Satire-Magazins „Charlie Hebdo“ ein und ermordeten dort elf Personen, darunter hauptsächlich Journalisten und Redaktuere des Magazins. Die beiden waren Brüder und standen als muslimische Extremisten bereits unter Beobachtung, weil sie an verschiedenen Attentatsversuchen beteiligt waren, bzw. mit der Terrororganisation IS sympathisierten und der ältere Bruder sogar im Jemen von der Al-Qaida ausgebildet wurde.

Ich möchte zu den Geschehnissen meine Trauer bekunden. Diese beiden Terroristen ermordeten heimtückisch friedlich lebende Zivilisten und brachten großes Leid über die Familien und Hinterbliebenen der Toten, sowie über die französische Nation und den gesamten europäischen Kontinent. Deshalb wird schon der Mord an nur einem Menschen im Koran mit dem Mord an der gesamten Menschheit verglichen (5:33). Deshalb können diese Terroristen auch gar keine aufrichtigen Muslime oder gar Gläubige sein, denn sie verhalten sich nicht nur unislamisch, sondern sogar islamfeindlich.

Als Motiv für den Terroranschlag auf „Charlie Hebdo“ wird gemeinhin angenommen, es handelte sich um einen Racheakt auf in der Vergangenheit veröffentlichte islamfeindliche Darstellungen und Karikaturen. Wenn das so ist, warum treten diese Terroristen dann die Lehren des Propheten Muhammad (saw), den sie doch angeblich so sehr lieben würden, mit Füßen und missachten die Lehren Allahs so offensichtlich? Denn der Koran enthält – wie ich bereits an anderer Stelle ausgeführt habe – keinerlei Anordnungen für eine weltliche Bestrafung bei Blasphemie, sondern er weist die Muslime lediglich an einer Stelle darauf hin, dass sie ihr Missfallen kundtun und Versammlungen, in denen über den Islam oder die Propheten abfällig gesprochen wird, demonstrativ verlassen sollen. Und auch die Praxis des Propheten Muhammad (saw) ist eindeutig, denn er wurde sehr oft beleidigt und persönlich angegriffen, antwortete aber niemals selbst abfällig oder reagierte gar, wie diese Terroristen, mit blutrünstiger Gewalt. Vielmehr ist in den Ahadith eine Begebenheit überliefert, bei der der Prophet (saw) auf einen Schimpfnamen mit Witz reagierte und meinte, dass der Lästerer ihn garnicht gemeint haben konnte, da er ja einen anderen Namen hätte, nämlich Muhammad.

Auch möchte ich mich als Muslim an dieser Stelle für die Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit aussprechen, da alle drei genannten Freiheiten nicht nur große Errungenschaften sind, sondern bereits lange vor der europäischen Aufklärung auch im Islam hoch geachtete Güter waren und es noch immer sind, die es gemäß islamischer Lehre zu etablieren und zu verteidigen gilt. Und das auch ungeachtet dessen, dass mancher Muslim und manch faschistische Regierung in den sogenannten „islamischen“ Ländern dies zu ignorieren scheint. Tatsächlich handeln sehr viele Verse des Korans von der Wichtigkeit der Religions- und Meinungsfreiheit (beides mit der arabischen Bezeichnung „din“). Und folgerichtig ist auch die Redefreiheit in der islamischen Tradition verbrieft, z.B. bei der kritischen Urteilsbildung („Idschtihad“) und der Beratenden Versammlung („Schura“).

„Kampf der Kulturen“ oder: Extreme Heuchelei auf beiden Seiten!?

Eigentlich dürfte der Anschlag auf das Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ aber weder eine Debatte über den Islam, noch eine Debatte über Rede- und Pressefreiheit hervorrufen, denn weder das eine, noch das andere spielt hier eine zentrale Rolle. Genau das geschieht aber im Moment. Es kommt zum „Clash of Civilisations“, nämlich DER „böse“ ISLAM, diese Ideologie mit ihrer „Religion über Alles, zur Not mit Gewalt“-Einstellung gegen DEN „guten“ WESTEN oder zumindest erst einmal EUROPA, mit ihrer „Wir haben uns alle Freiheiten hart gegen die Religion erkämpft, für Differenzierung haben wir deshalb keine Zeit“-Einstellung.

Und so kommt es, dass irgendwelche ungebildeten Extremisten, die unislamisch reden, unislamisch denken und unislamisch handeln „DEN ISLAM“ repräsentieren und diesen dann auch – wieder gegen den bösen WESTEN und seine dekadente Anti-Religionshaltung – verteidigen. Verteidigen? Ja, verteidigen – das denken sie zumindest, wenn man den Medien Glauben schenken darf (Haha, ja ich weiß, der war gut!). Jedenfalls lassen sich die Extremisten-Islamisten-Jihadisten, etc. nichts von diesen „Ungläubigen“ sagen – schon gar nicht in Sachen Religion oder Menschenrechte!

Auf der anderen Seite wiederum hat man den guten, freien, aufgeklärten und modernen WESTEN, der es geschafft hat, sich von den „Fesseln der Religion“ (und damit auch des Anstands und der Moral ?…naja, teilweise sicherlich!) loszusagen. Deshalb lässt er sich auch nicht mehr ins Gewissen reden und es wird unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit als Menschenrecht – einst verstanden als die Freiheit, Unrecht beim Namen zu nennen und Machthaber zu kritisieren – beschimpft, gelästert, entwürdigt und erniedrigt, was das Zeug hält. Und weil sich das Christentum das gefallen lassen musste, muss sich das der Islam auch! Nur das Judentum hat da in Europa gewissermaßen mehr Glück… naja, zumindest nach 1945.

Aber: Faktisch sind Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit universale Menschenrechte. Sie sind in allen Religionen und Kulturen enthalten, doch die politischen Gegebenheiten lassen das Abendland die Menschenrechte gegenüber der Religion aufwerten, während es im Morgenland genau umgekehrt ist. Die Extremisten auf beiden Seiten versuchen den Status Quo zu halten, bzw. weiter zu spalten, deshalb bedarf es gemäßigten Kräften, um dem ganzen Schwachsinn entgegenzuwirken!

Zurück zum Anschlag auf „Charlie Hebdo“

Dieser „Kampf der Kulturen“ wird am derzeit in den Medien geführten Diskurs sehr deutlich. Die Attentäter werden von Jihadisten als Märtyrer des „Islam“ verehrt. Gleichzeitig wird das Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ von Islamgegnern sozusagen als „Märtyerer der Rede- und Pressefreiheit“ in Europa verehrt – und zwar nur, weil dessen Redaktion von Terroristen angegriffen wurde. Die Trauer um die ermordeten Menschen sitzt bei mir, wie oben bereits beschrieben, recht tief. Aber ich kann in „Charlie Hebdo“ beim besten Willen keinen Zusammenhang zu dem einst erkämpften und hohen Gut der Rede- und Pressefreiheit erkennen. Im Gegenteil, ähnlich wie auch andere Magazine, die mit z.B. den Mohammed-Karikaturen 2006 provoziert haben, missbrauchte auch „Charlie Hebdo“ die Rede- und Pressefreiheit, um die Menschen gegen eine ganze Weltreligion aufzuhetzen und dadurch Aufmerksamkeit und Umsätze gleichermaßen zu generieren. Es handelte sich wohlgemerkt nicht um satirische Angriffe gegen Terroristen und Mullahs oder um Missstände in islamisch geprägten Staaten oder Regierungen anzuprangern – eine derartige Satire kennt auch die islamische Welt (siehe meinen Artikel zu Humor im Islam). Nein, die satirischen Angriffe waren gegen eine ganze Weltreligion und ihre Anhänger gerichtet – von denen dann leider die dümmsten und am wenigsten gefestigten zu Terroristen geworden sind.

Verschärfend hinzu kommt bei diesem Umstand wohl auch, dass sich die Anhänger des Islam zu einem nicht unbeträchtlichen Teil in solchen Entwicklungsländern befinden, die seit Jahrzehnten von Europa und den USA in wirtschaftlicher wie politischer Hinsicht ausgebeutet werden. Wie sollen Menschen aus solchen Ländern an Menschenrechte und Demokratie glauben, wenn diese gerade von westlicher Außenpolitik ausgehebelt werden!? Kein Wunder also, dass ob dieser Ungerechtigkeit Menschen anfällig werden für Spalter und Hassprediger, die die Religion als Faktor der Gruppenzugehörigkeit ausnutzen, um gegen den „bösen“ Westen zu hetzen; so ähnlich wie das umgekehrt hierzulande durch PEGIDA und Co. passiert.

Aus den genannten Gründen erachte ich die Redakteure von „Charlie Hebdo“ folglich nicht als DIE Kämpfer gegen das Unrecht, zu denen sie derzeit stilisiert werden. Sie nutzten ihre Überlegenheit im öffentlichen Diskurs und die Machtlosigkeit ihrer Opfer aus, um (psychische) Gewalt auszuüben, wenngleich sie dies natürlich ohne physische Gewalt und somit viel subtiler taten. Aber sie taten es! Und sie taten es unter dem Deckmantel der Rede- und Pressefreiheit. Echte Kämpfer für die Rede- und Pressefreiheit findet man in den Gefängnissen Nordkoreas, Ägyptens, Saudi Arabiens und denen anderer Unrechtsstaaten, nicht aber in der Redaktion von „Charlie Hebdo“.

Fazit: Allah schaut auf die Herzen

Die letzten Zeilen mögen den ein oder anderen Leser dazu verleiten zu sagen: Also geschieht es den nun ermordeten Redakteuren doch recht, dass es sie nun auch erwischt hat. NEIN, absolut nicht! Und das wollte ich auch mit keinem Satz angedeutet wissen! Die Redakteure verletzten zwar Gefühle und rissen tiefe Wunden in viele Herzen, aber sie ermordeten keine Menschen. DAS jedoch taten die Terroristen, die in ihrer Dummheit und Ignoranz gegenüber sowohl dem Islam als auch gegenüber den Menschenrechten und den Gesetzen ihres französischen Heimatlandes unsägliches Leid über viele Menschen brachten. Richtig ist zwar, dass Gewalt Gegengewalt erzeugt, Schadenfreude oder Häme aber sind hier absolut unangebracht. Der Zweck dieses Artikels ist der, die Menschen zur Besinnung zu bringen; denn beim Anschlag auf „Charlie Hebdo“ und im derzeitigen Diskurs in der Medienlandschaft handelt es sich nur rein äußerlich um einen „Kampf der Kulturen“. Während die eine Seite von der Beleidigung ihrer Religion heuchelt (sic!), heuchelt (sic!) die andere Seite von Rede- und Pressefreiheit. Beide eigentlich guten Werte wurden aber von den jeweiligen Extremisten auf ihre Art und Weise und im Sinne ihrer eigenen Interessen missbraucht. Von diesen Äußerlichkeiten dürfen sich die gemäßigten Kräfte in unserer Gesellschaft nicht täuschen lassen. In diesem Sinne müssen wir die Eigenschaften Allahs in uns aufnehmen und gemäß dem Hadith handeln:

Allah sieht weder auf eure Körper noch auf euer Aussehen, sondern auf eure Herzen.“ (Hadithsammlung Sahih Muslim)

Beste Friedensgrüße und Segenswünsche,
Volker Ahmad Qasir

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Muslimische Lieder zu Weihnachten – NEIN! (…auch wenn eigentlich die BILD-Zeitung schuld ist!)

Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen des vergangenen Jahres 2014 war ein seltsamer Artikel in vielen Tageszeitungen zu lesen und auch in der Fuldaer Zeitung stand es auf der Titelseite: „Debatte um muslimische Lieder in Weihnachtsgottesdiensten“ (Fuldaer Zeitung vom 23.12.2014, Titelseite und Artikel auf Seite 2).

Zwar kam mir das Ganze schon von Anfang an sehr komisch vor, aber da man inzwischen ja schon so einiges an Schwachsinn gelesen und gehört hat, wundern solche Vorschläge auch nicht mehr besonders.

Tatsächlich hat sich aber dann doch herausgestellt, dass das Ganze eine Idee der BILD-Zeitung selbst war (vgl. „BILDblog“) und nicht die eines Politikers. Warum nicht, wenn man „Politik(er)verdrossenheit“ und die „schleichende Islamisierung des Abendlandes“ in einem Artikel ansprechen kann!? Und das auch noch jetzt, wo PEGIDA so gut läuft und die Spaltung der Gesellschaft immer stärker um sich greift!? Sowas regt auf und was aufregt bringt zumindest Umsatz!

Wie dem auch sei, der Leserbrief für die Zeitung war schon fertig. Da aber zwischen den Jahren zu viel los war, wurde mein Leserbrief zu dem Thema leider nicht mehr abgedruckt, weshalb ich ihn nun hier zum Besten geben möchte:

„Muslimische Lieder zu Weihnachten? – Ein absolutes: NEIN!“

Muslimische Lieder haben in Weihnachtsmessen nichts zu suchen. Mag sein, dass Weihnachten zwar hierzulande mehr ist, als ein rein christliches Fest. Dennoch ist es wichtig, dass sein identitätsstiftender christlicher Hintergrund bestehen bleibt – und zwar wichtig für Christen und Muslime gleichermaßen. Eine Vermischung islamischer Elemente in das christliche Weihnachtsfest zeugt entgegen aller Behauptungen nämlich gerade nicht von Verständnis, sondern vom Unverständnis religiöser Eigenheiten. Der Islam ist keine Kultur, sondern eine Religion. Man kann türkische, arabische oder persische Lieder im Weihnachtsgottesdienst singen, um die Akzeptanz anderer Kulturen zu demonstrieren, nicht aber islamische. Ein Amalgat von Christentum und Islam zu einem gemeinsamen Wischi-Waschi-Gottesdienst wird hingegen beiden Religionen nicht gerecht und würde folglich einem friedlichen Miteinander mehr schaden als dienen. Sicher ist es wichtig, die vielen Gemeinsamkeiten zu betonen. Genauso wichtig ist es aber auch, um die zahlreichen Unterschiede und Besonderheiten zu wissen und diese auch anzuerkennen, denn gerade sie haben für die Gläubigen beider Religionen eine wichtige identitätsstiftende Komponente. Erst hierdurch wird das Wissen um den eigenen Glauben gefestigt und erst dann kann man den Andersgläubigen und dessen Religion auch wirklich und aufrichtig tolerieren. Sinnvoller wäre hier z.B. eine direkte und gezielte Einladung muslimischer Gläubiger zum christlichen Weihnachtsgottesdienst in die Kirchen und im Umkehrschluss der Besuch christlicher Würdenträger zum Freitagsgebet während des Ramadans. In diesem Sinne wünsche ich als Muslim, auch wenn ich selbst das Weihnachtsfest nicht begehe, allen Christinnen und Christen ein gesegnetes und besinnliches Weihnachtsfest.

In diesem Sinne: Ein frohes Jahr 2015!

Allah Hafiz,

Volker Ahmad Qasir

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Fuldaer Zeitung: Leserbrief „Verzerrtes Islambild“

„Verzerrtes Islambild“ (Leserbrief) –  Zum Leserbrief „Weltanschauliche Verwirrung“ von Gerd Kreß aus Kalbach, in der Fuldaer Zeitung vom 23.12.2014, Seite 4

Das Bild, das Nicht-Muslime in Deutschland und Europa vom Islam haben, wird beherrscht von muslimischen Extremisten und Terroristen. Problematisch ist daran, dass diesen hierdurch indirekt auch die Deutungshoheit über den islamischen Glauben zugesprochen wird. [Das geht soweit, dass Muslime, die solch fanatischen Auslegungen nicht nachkommen sowohl von diesen Extremisten, als auch von Nicht-Muslimen, häufig gar nicht als „richtige Muslime“ angesehen werden.] Befördert wird dieses verzerrte Islambild von fehlendem Wissen um die islamische Glaubenslehre und Geschichte. Und so lässt sich auch die aus wissenschaftlicher Sicht unsaubere Gleichsetzung der „Scharia“ mit dem „islamischen Recht“ erklären sowie die Auffassung, es habe im Islam nie Reformen gegeben. In diesem Zusammenhang ist auch der kritische aber gleichzeitig sehr respektvoll formulierte Leserbrief von Herrn Kreß zu verstehen, in dem er verschiedene Fragen an den Islam und mich persönlich als Muslim richtet. [Tatsächlich halte ich es für das größte Versagen der hiesigen Medienlandschaft, dass Debatten um den Islam meist zu Integrationsdebatten verkommen, in denen muslimische Religionsgelehrte und -wissenschaftler nie zu Wort kommen und kritische Fragen häufig abgewürgt werden.] Sehr gerne möchte ich versuchen, ihre Fragen im Detail zu beantworten. Da mir jedoch an dieser Stelle der Raum fehlt, möchte ich dies gerne in den nächsten Tagen auf meinem Online-Blog (www.qasir.de) versuchen. Vielleicht nur kurz zum Wertesystem der Scharia und des deutschen Staatsrechts: Tatsächlich finden sich die wichtigsten grundlegenden Werte der islamischen Scharia auch im Grundgesetz wieder. Der wichtigste islamische Wert ist die Glaubens- und Religionsfreiheit (auch wenn dies angesichts des Weltgeschehens paradox klingen mag). Und wer findet, dass er diesem in Deutschland nicht nachkommen kann, dem empfiehlt der Heilige Koran, in ein anderes Land auszuwandern (4:98) – das war auch die Praxis des Propheten Muhammad, als er in Mekka von den Polytheisten verfolgt wurde.

ABGEDRUCKT in der Fuldaer Zeitung vom 30. Dezember 2014 unter dem Titel “Verzerrtes Islambild” (in leicht abgeänderter, gekürzter Form)

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PS: Der Leserbrief von Herrn Kreß, sowie die Beantwortung der darin gestellten Fragen sind hier zu finden…

LINK: Weltanschauliche Verwirrungen Teil 1/3

LINK: Weltanschauliche Verwirrungen Teil 2/3

LINK: Weltanschauliche Verwirrungen Teil 3/3

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