Religion im Koran: zwischen innerer Haltung (Glaube) und äußerer Form (System)

Zu den fundamentalsten Fragen der Religionswissenschaften zählt die danach, was Religion per Definition überhaupt ist. In den Wissenschaften werden Definitionen benutzt, um den Forschungsgegenstand genauer ein- und gegenüber anderen abgrenzen zu können. Gerade Religion aber ist schwierig zu definieren, weshalb es viele Erklärungsversuche, Modelle und Differenzierungen gibt, jedoch keine allgemein gültige Definition. Dies wohl aufgrund der Allumfassenheit von Religion, denn Religion hat Auswirkungen auf nahezu alle Bereiche des menschlichen Lebens; auf die Persönlichkeit, die Kultur, das Zusammenleben, die Politik, die Gesellschaft, die Wirtschaft, Gesetze und Regeln im öffentlichen Raum, sowie auf Umgangsformen im privaten Umgang miteinander usw. Weiterlesen

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Islamische Mystik – Die spirituelle Botschaft des Islams

In weiten Teilen der Öffentlichkeit wird der Islam heute als starre Religion wahrgenommen, der es hauptsächlich darum gehe, die gläubigen Menschen durch einen festen Kanon von religiösen Gesetzen und Verboten „geradezubiegen“. Der eigene Wille solle gebrochen und jegliche dem Menschen innewohnende Freiheit den Vorgaben Gottes unterworfen werden. Nur so könne der Mensch das Feuer der ewigen Verdammnis, genannt Hölle, vermeiden, wo ihm bei lebendigem Leibe die Haut abgezogen würde und nur so könne er ins Paradies eingehen, um sich dort ewiglichen fleischlichen Begierden hinzugeben, wie dem massenhaften Konsum von Wein, Milch und Honig oder sexuellen Ausschweifungen mit willigen Jungfrauen. Weiterlesen

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Fuldaer Zeitung: Leserbrief zum Islamischen Religionsunterricht „Harte Pionierarbeit“

„Harte Pionierarbeit“ (Leserbrief) –  Zum Gastbeitrag „Falsche Partner für Islamunterricht gewählt“ der Landtagsabgeordneten Sabine Waschke (SPD), in der Fuldaer Zeitung von Mittwoch, dem 24. August 2016

Seit seiner Einführung wird der Islamische Religionsunterricht in Hessen (IRU) immer wieder vor Allem für das Konzept der Bekenntnisorientierung kritisiert. Während es in allen deutschen Bundesländern unterschiedliche Konzepte des islamischen Religionsunterrichts gibt, hat sich die hessische Landesregierung dafür entschieden, die islamischen den christlichen Konfessionen gleichzustellen. Hierzu arbeitet das Land mit zwei zuvor juristisch und religiös begutachteten muslimischen Verbänden zusammen; dem hessischen Landesverband der DITIB und der Ahmadiyya Muslim Jamaat; die übrigens als einziger muslimischer Verband in Deutschland den Körperschaftsstatus besitzt und die gerade von Frau Prof. Schröter auch mehrfach für ihre Offenheit und Diskussionsbereitschaft gelobt wurde. Und bei aller berechtigten Kritik an der DITIB, die diese sich auch aufgrund der aktuellen Politik in der Türkei gefallen lassen muss, gehen doch einige der von Frau Waschke in ihrem Beitrag zitierten Aussagen an der Realität des islamischen Religionsunterrichts in Hessen vorbei. Ich selbst bin Mitglied der Ahmadiyya und unterrichte Islamischen Religionsunterricht an einer Grundschule. Im kommenden Schuljahr startet die 4. Grundschulklasse. Die Sekundarstufe beginnt frühestens im nächsten Schuljahr. Natürlich werden in der Grundschule auch Fragen zu Terrorismus und Gewalt, sowie zu Geschlechterunterschieden behandelt – das bedingt schon die Lebensrealität der Kinder. Die Forderung nach einer Koranexegese in der Grundschule halte ich aber für arg überzogen. Zudem ist es genau der falsche Weg, aus einer Defensive heraus extremistischen Kräften quasi die Deutungshoheit über den Islam zu überlassen und damit indirekt jungen Muslimen „beizubringen“, man müsse sich als Muslim in Deutschland zuerst einmal mit den Vorurteilen auseinandersetzen, man hasse Andersgläubige, würde Terrorismus legitimieren und sähe Frauen und Mädchen als minderwertig an. Im Gegenteil ist das Ziel ein guter Religionsunterricht, der das Selbstbewusstsein muslimischer Kinder stärkt und sie gemäß den Lehren des Korans zur kritischen Reflexion mit ihrer Umwelt (und auch ihren eigenen Traditionen) animiert. Dies umzusetzen ist in Deutschland harte Pionierarbeit.

ABGEDRUCKT in der Fuldaer Zeitung vom 31. August 2016 unter dem Titel “Harte Pionierarbeit” (in leicht gekürzter Form)

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Gehört der Islam zu Deutschland? – Eine Frage der Geschichte

Wie bereits an anderer Stelle geschrieben wird bei der Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört oder nicht, völlig an dem eigentlichen Inhalt der Fragestellung vorbei diskutiert. Die Frage wird fast ausschließlich mit der Integrationsfähigkeit von ausländischen Muslimen und Musliminnen verknüpft, sodass man sie letztlich auch mit JA oder NEIN beantworten kann. Legt man den Fokus auf (ausländische) Muslime, die sich asozial gegenüber der hiesigen Mehrheitsgesellschaft verhalten, so lautet die Antwort konsequenterweise: NEIN. Legt man den Fokus auf (ausländische) Muslime, die sich sehr gut integrieren und unserer Mehrheitsgesellschaft aufgeschlossen gegenüber stehen, lautet die Antwort konsequenterweise: JA. Beide Antworten gehen aber am eigentlichen Gehalt der Frage vorbei. Sie beantworten die Frage: „Gehören Muslime zu Deutschland“, nicht aber die Frage, ob der „Islam“ zu Deutschland gehört Weiterlesen

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Gehört der Islam zu Deutschland? – Nur eine Frage der Integration!?

Seit knapp sechs Jahren führen wir in Deutschland eine Debatte um die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre oder nicht. Zwar haben ihn auch früher schon verschiedene Politiker gesagt, beispielsweise Wolfgang Schäuble zur Eröffnung der Islamkonferenz im Jahr 2006. So richtig entfacht wurde die Diskussion aber durch den Satz unseres damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff, der im März 2010 anlässlich des 20. Jahrestags der Deutschen Einheit sagte: „Der Islam gehört zu Deutschland!“ Nachdem die Diskussionen, die aufgrund dieser Aussage sowohl im Internet als auch in den öffentlichen Medien losbrach, abflachte, zitierte unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel diesen Satz Christian Wulffs erneut im vergangenen Jahr 2015 und das gleich zweimal. Nach den Anschlägen der Terroristen des IS in Paris im Januar und dann noch einmal im Juli 2015, symbolträchtig während des islamischen Fastenmonats Ramadan, bei einem Empfang, wo sie sagte: „Es ist offenkundig, dass der Islam inzwischen unzweifelhaft zu Deutschland gehört.“
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Das neue Feindbild Islam: Die bösen bösen Salafisten

Es geht doch nichts über ein gutes Feindbild. Feindbilder helfen Menschengruppen seit jeher bei der Herausbildung einer („idealen“) Identität, schweißen immer pluralistischer werdende Gesellschaften zusammen, rufen in weiten Teilen der Bevölkerung mit Hilfe von Bedrohungsszenarien Ängste hervor, appellieren somit an menschliche Urinstinkte und lenken zudem die Aufmerksamkeit weg von innenpolitischem Versagen in den verschiedensten Lebensbereichen. Gerade in Zeiten des Umbruchs scheint man ohne ein zusammenschweißendes Feindbild nicht mehr auszukommen. Das schaffte man früher nicht und heute schon gar nicht mehr. Seltsamerweise spielten stets fremde Religionen dabei eine besondere Rolle…  Weiterlesen

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Das islamische Menschenbild : Der vernünftige und mündige Muslim

Hört man heute vom Islam, denkt man gemeinhin an ihres Geistes enteignete Männer und Frauen. Die ersteren würden nur auf Befehl ihrer jeweiligen religiösen/politischen „Führer“ hin agieren und würden ohne selbst nachzudenken nur das tun, was ihnen aufgetragen wurde. Die zweiteren hingegen seien sowieso ihrer Menschenrechte beraubt und von vornherein unterdrückt – sie seien im Prinzip das „Eigentum“ ihres Mannes, von dem sie auch stets die Erlaubnis einholen müsste, um das Haus zu verlassen oder überhaupt selbst Auto fahren zu dürfen.

Kurzum, es hält sich das wackere Vorurteil, der Islam züchte aufgrund seiner Lehre quasi hirnlose Zombies, deren Pflicht blinder Gehorsam sei und denen es geradezu verboten wäre, selbst nachzudenken und Entscheidungen vernunftgemäß zu treffen. Weiterlesen

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