Stellungnahme zu den Vorwürfen des AfD Kreisverbands Fulda gegen die Ahmadiyya Muslim Jamaat und den Bau der Bait-ul-Hamid Moschee in Fulda

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Der AfD-Kreisverband Fulda verteilte (in der Zeit vom 01.09.2019 bis zum 16.02.2020) einen „Info-Flyer“, in der die Ahmadiyya Muslim Jamaat in Fulda angegriffen und ihre Mitglieder, sowie die Moschee als nicht zugehörig zu Fulda dargestellt werden. Mehr noch suggeriert der Flyer, dass der Islam insgesamt, sowie die Lehre der Ahmadiyya Muslim Jamaat mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Deutschland unvereinbar seien.

Bei einem Vortrag im Kulturkeller am 03.12.2019 haben wir uns hierzu bereits geäußert. Wer die Veranstaltung verpasst hat, kann sich den Vortrag auf Youtube anschauen:

 

In einem „kurzen“ Text möchte ich die Aussagen der AfD hier noch einmal kurz erläutern und den interessierten Leser über den Hintergrund der teils aus dem Zusammenhang gerissenen Zitate oder Textstellen aufklären.

Zitat aus dem AfD-Flyer:

Du bist der Meinung, der Islam gehört weder zu Fulda noch zu Deutschland? – Dann bist du Teil der Mehrheit, die übergangen wird.

Erläuterung:

Das islamische Weltreich hat im Mittelalter und Spätmittelalter ganz Europa stark beeinflusst. In Europa haben wir darüber hinaus mehr als 300 Jahre muslimische Geschichte in Spanien und Portugal. Und ohne die Ideen aus dem arabisch-islamischen Kulturkreis wäre Deutschland heute nicht das was es ist – ob in den wissenschaftlichen Bereichen der Mathematik, Medizin, Astronomie, im Ingenieurwesen, der Soziologie und sogar der (christlichen) Theologie oder auch im Bereich der Rechtswissenschaften und der Politik – Deutschland hätte niemals die Zeit der Aufklärung durchlebt und gerade der Toleranzgedanke und die Religionsfreiheit wurden aus dem arabisch-islamischen Weltreich nach Europa und Deutschland importiert. Gerade unsere deutschen Dichter und Denker wurden zur Zeit der Aufklärung vor Allem von arabisch-islamischen Philosophen inspiriert, wie man an Goethe, Kant, Herder, Nietzsche, Lessing, Heinrich Heine usw. gut erkennen kann. Die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört ist im Bereich Integration meinetwegen diskussionswürdig, kulturgeschichtlich ist diese Frage eindeutig mit „Ja“ zu beantworten!

Bei Interesse gerne hier weiterlesen: „Gehört der Islam zu Deutschland!?“ – Teil 1 (LINK) und Teil 2 (LINK)

 

Zitat aus dem AfD-Flyer:

Selbstgewählter Auftrag des Begründers und „Propheten“ der Ahmadiyya-Sekte, Mirza Ghulam Ahmad: „Ich bin gesandt worden, um das Kreuz zu brechen (steht für das Christentum), das Schwein (steht für das Judentum) zu vernichten.“

Erläuterung:

Der Heilige Prophet des Islam, Muhammadsaw, hat einmal über unsere heutige Zeit gesagt: „Bei Ihm, in Dessen Händen mein Leben liegt, der Sohn Marias wird bald unter euch erscheinen. Er wird Recht sprechen. Er wird das Kreuz brechen, das Schwein töten, (den religiös begründeten) Krieg abschaffen (der Religion unter göttlicher Leitung zu willen), und den (geistigen) Reichtum verteilen, aber niemand wird es anerkennen. In diesen Tagen wird eine Niederwerfung vor Allah besser sein als die Welt und alles, was sie enthält.“ (Bukhari)

Es handelt sich hier also um eine Prophezeiung des Propheten des Islams, dass eine Zeit in der Welt kommen wird, in der Jesus als Messias innerhalb des Islams wieder-erscheinen wird, um den Islam zu reformieren. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat erhebt den Anspruch, diese Reformationsgemeinde zu sein und der Gründer unserer Gemeinde, Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad, erhob den Anspruch diese (sprituelle) Wiederkunft Jesu innerhalb der islamischen Gemeinschaft zu sein.

Im Gegensatz zur wort-wörtlichen Auslegungen dieser Überlieferung (Hadith) durch Extremisten, interpretierte der Gründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat, Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad, dieses Hadith anders: „Das Kreuz brechen“ bezeichnet nicht das Christentum, sondern die aus islamischer Sicht falsche Lehre vom Kreuzestod Jesu, an die auch einige Muslime glauben und als „Schwein“ bezeichnete er schlechte Verhaltensweisen, wie Betrug, Korruption, Gier, Unfreundlichkeit, die sich in den Islam eingeschlichen haben. Diese gilt es zu bekämpfen.

Es geht hier also weder um andere Religionen, noch sollen diese „vernichtet“ werden. Es geht hier um den Islam selbst. Die Behauptungen der AfD, das Kreuz brechen stünde für eine angestrebte Vernichtung des Christentums und mit dem „Schwein“ seien Juden gemeint, haben keine Grundlage und sind schlichtweg gelogen!

 

Zitat aus dem AfD-Flyer:

„Die Verschleierung der Frau, das Kopftuch, wird als göttliches Gesetz bezeichnet.“

„Frauen können gezüchtigt werden, wie es auch im Koran steht.“

„Eure Frauen sind Euch ein Acker. Geht zu eurem Acker, wann immer ihr wollt!“ Sure 2, Vers 223

Kennzeichnend für den Ahmadiyya-Islam: Strikte Geschlechtertrennung, Frauen sind dem Kopftuchzwang unterworfen.

Erläuterung:

Die AfD versucht hier gängige Vorurteile zu bedienen, die den Eindruck erwecken, Frauen seien im Islam insgesamt und in der Ahmadiyya Jamaat konkret unterdrückt. Dazu werden „Kopftuch“, „Züchtigung von Frauen“ und ein angedeutetes Recht auf Vergewaltigung in einen Zusammenhang gesetzt.

Allerdings handelt es sich um drei verschiedene Themen, die miteinander nicht viel zu tun haben. Auch die ständige „Opferrolle“, in die muslimische Frauen gedrängt werden sollen, um das Vorurteil des orientalen „Machos“ zu bedienen ist nur noch nervig. Sicher ist, dass es leider in vielen Kulturen Unterdrückung und Benachteiligung von Frauen gibt. Dies mittels einer Religion zu legitimieren ist ein Fehler idiotischer Menschen, kein Fehler der Religionen oder Religionsstifter selbst.

Diskussionen über das Kopftuch wurden bereits in ausreichender Menge geführt und man kann sie überall nachlesen und gerne mit muslimischen Frauen darüber diskutieren. Fakt ist, dass Zwang in die eine oder andere Richtung existieren – im Islam ist beides verboten. Weder darf eine Frau gezwungen werden an den Islam zu glauben und/oder Kopftuch zu tragen, noch es abzulegen. In Deutschland herrscht sozialer Druck in beide Richtungen und bei Frauen wird sowohl von Rechtsextremisten als auch von muslimischen Extremisten versucht diese für ihre eigenen politischen Zwecke zu instrumentalisieren.

Richtig ist, dass die Ahmadiyya Muslim Jamaat konservativ ist, was den Bereich der Geschlechtertrennung und die Zügelung von Reizen in der Öffentlichkeit betrifft (sowohl bei Männern als auch bei Frauen). Das kann man gerne in Pro- und Contra diskutieren.

Die Metapher des Ackers aus der Sure 2 des Heiligen Koran handelt vom Verhältnis von Ehemann zu Ehefrau. Ein Acker ist – gerade in der wüsten Landschaft der arabischen Halbinsel – etwas sehr Wertvolles. Nicht nur hierzulande kennt man darüber hinaus das Sprichwort „man erntet, was man sät“. Dieses Symbol in etwas Minderwertiges umzuinterpretieren ist nicht aufrichtig. Und richtig, sicherlich spielt der Koran in diesem Vers auch auf sexuelles Verhalten an. Sexualität ist etwas Natürliches und gehört in eine funktionierende Ehe hinein. Im Islam und der islamischen Geschichte ist und war der Umgang mit Sexualität kein Tabuthema. Prüderie ist gleichfalls schädlich wie sexuelle Ausschweifungen. Und so erlaubt der Islam Sex zwischen Ehepartnern „wann immer ihr wollt“, um vorzubeugen, dass sich aus falsch verstandener Frömmigkeit heraus Prüderie und eine verklemmte Sexualität entwickelt. Es ist bezeichnend, dass Muslime im Mittelalter noch als sexuell ausschweifend galten, weil sie über Sexualität und gesundheitliche Aufklärung in diesem Zusammenhang ohne Ausflüchte sprachen. Mit einer Abwertung der muslimischen Frau als Sexualobjekt oder Lust-Sklavin hat das nichts zu tun, auch wenn das scheinbar das vorherrschende Bild in den Köpfen der AfD zu sein scheint. War da etwa der eigene Wunsch der Vater des Gedankens?

 

Zitat aus dem AfD-Flyer:

Dr. Necla Kelec sagt: „Die Ahmadiyya ist eine islamische Sekte, die eine politische Agenda durchsetzt.“ etc.

Erläuterung:

Necla Kelec ist eine Islamhasserin und wahrscheinlich hat sie aus ihrer individuellen Geschichte heraus und auch aus soziologischer Sicht Grund dazu. Allerdings urteilt Frau Kelec seit jeher aus einer türkisch-politischen Sicht heraus, weniger aus einer religiösen. Frau Kelec ist Soziologin, keine Islamwissenschaftlerin oder gar Theologin. Folglich ist sie auch keine Expertin für die Ahmadiyya Muslim Jamaat, die keine türkische Gemeinschaft ist. Frau Kelec urteilt pauschal über die Ahmadiyya Gemeinde wie über jeden anderen politischen Kultur- oder Islamverband. Hierfür wurde sie auch vor Gericht gestellt und gerade die Politisierung und die Vorwürfe, die Ahmadiyya Muslim Jamaat wolle einen Gottesstaat / Kalifatstaat errichten oder Moscheen als politische Zentren eröffnen, wurden ihr per Gerichtsbeschluss untersagt. Natürlich ist die Ahmadiyya theologisch gesehen aber eine Sekte, genau wie das Christentum auch (vgl. Sekte Definition). Das stimmt natürlich.

 

Zitat aus dem AfD-Flyer:

So heißt es im Koran, der für die Ahmadiyyas die religiöse Grundnorm ist: „Kämpft gegen die Ungläubigen, bis es keine Verfolgung mehr gibt und der Glaube an Allah allein vorherrscht!“ UND „… tötet sie (die Ungläubigen) wo immer ihr sie trefft!“

Erläuterung:

Die einfachste Antwort auf solche Zitate ist es immer, den gesamten Zusammenhang der Texte auch zu lesen, also zumindest den Vers davor und danach, vielleicht auch noch etwas weiter. Jedenfalls dann, wenn man ein echtes Interesse daran hat, die Inhalte nachzuvollziehen.

Im Kontext gelesen lauten die Verse:

„Sprich zu denen, die ungläubig sind: Wenn sie abstehen, dann wird ihnen das Vergangene verziehen; kehren sie aber zurück, dann, wahrlich, ist das Beispiel der Früheren schon dagewesen. Und kämpfet wider sie, bis keine Verfolgung mehr ist und aller Glaube auf Allah gerichtet ist. Stehen sie jedoch ab, dann, wahrlich, sieht Allah sehr wohl, was sie tun.“ (Sure 8, Verse 39-40)

Und kämpfet für Allahs Sache gegen jene, die euch bekämpfen, doch überschreitet das Maß nicht, denn Allah liebt nicht die Maßlosen. Und tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie von dort, von wo sie euch vertrieben; denn Verfolgung ist ärger als Totschlag… (Sure 2, Verse 191-192)

Wie man unschwer erkennen kann, behandeln die beiden Zitate kriegerische Auseinandersetzungen. Sie beschreiben logischerweise nicht den „normalen“ Umgang mit Andersgläubigen. Und wie man auch feststellen kann, geht es darum, dass die Muslime von den Andersgläubigen und Götzendienern aufgrund ihres monotheistischen Glaubens zuerst verfolgt oder angegriffen wurden. In beiden Versen soll gekämpft werden, bis die Verfolgung aufhört – also Religionsfreiheit erreicht wurde und niemand aufgrund seines Glaubens mehr verfolgt und getötet wird.

Ausführlich habe ich diese und andere Verse bereits in einem anderen Artikel behandelt – nachzulesen für Interessierte hier: LINK.

 

Zitat aus dem AfD-Flyer:

Der missionarische Drang des Ahmadiyya-Islam kommt im „100-Moscheen-Plan“ von 1989 zum Ausdruck.

Nachdem ein Moscheebau im Jahr 2002 in Schlüchtern am Widerstand engagierter Bürger und Politiker […] gescheitert war, ist unerwartet das als besonders christlich geltende Fulda als Ersatzstandort gefunden worden.

Erläuterung:

Falsch ist, dass Fulda ein „Ersatzstandort“ ist. Wir bauen eine Moschee in Fulda, weil wir in Fulda leben und Fulda unsere Heimat oder neue Heimat ist. Gerade der Bau einer Moschee zeigt, dass wir hier leben wollen und uns integrieren als Muslime für unsere Stadt, Fulda. Fulda ist kein Ersatzstandort. Die Schlüchterner Ahmadiyya Gemeinde möchte weiterhin in Schlüchtern eine Moschee bauen. Auch damals wurde bereits mit Verleumdungen gegen den Islam und die Ahmadiyya Gemeinde gearbeitet – und hätte die Gemeinde damals nicht Rücksicht auf die Bevölkerung genommen, wäre die Moschee wahrscheinlich tatsächlich gebaut worden. Das nun als „Sieg“ eines heutigen AfD-Politikers zu bezeichnen ist fern der Realität. Der 100-Moschee-Plan von 1989 ist inzwischen ebenfalls überholt. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat plant inzwischen nicht mehr nur 100 Moscheen, sondern überall dort in Deutschland, wo es Ahmadiyya-Muslime gibt und diese sich zu Hause und als Teil der Mehrheitsgesellschaft fühlen und dies auch zeigen möchten, soll eine Moschee entstehen. Eine Moschee steht dabei allen Interessierten und Gläubigen aller Religionen offen. Es ist ein Ort der Andacht – und genauso wie Kirchen keine politischen Zentren sind, sind es Moscheen auch nicht. Allerdings – und das ermahnt die Leitung der Ahmadiyya Muslim Jamaat immer wieder – ist eine Moschee nur ein Gebäude, das von den Gläubigen mit Frieden und Leben gefüllt werden muss. Ein Ort des Austausches und des gegenseitigen Miteinanders wird es durch die Taten der Menschen gemacht. Oder wie es der Prophet Jesusas einst sagte: „an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“

So ist die Ahmadiyya Muslim Jamaat tatsächlich sehr aktiv, was die Verbreitung der Botschaft des Islam angeht. Dies aber geschieht und geschah seit jeher niemals durch Druck, Zwang oder gar Gewalt. Dies belegt auch die Religionswissenschaftlerin Ina Wunn bereits im Jahr 2007: „Auch wenn das Ziel der Ahmadiyya die letztendliche Bekehrung aller Menschen zu dem von ihr verkündeten und als richtig erkannten Weg zu Gott ist, wird dieses Ziel entsprechend dem Beispiel ihres Stifters und den ausdrücklichen Bekundungen autorisierter Personen nicht mit repressiven oder gar gewaltsamen Mitteln durchgesetzt, sondern man vertraut auf die Überzeugungskraft des Wortes und die Einsicht und richtige Entscheidung des Adressaten.“[1]

 

Zitat aus dem AfD-Flyer:

Vertreter der Ahmadiyya-Gemeinschaft behaupten immer wieder, der Islam sei mit Rechtsstaat und Demokratie vereinbar.

Demgegenüber stellt der 4. Kalif der Ahmadiyya-Gemeinschaft 1990 fest:

„Das Gesetz […] aus dem heiligen Koran, dem Verhalten des Heiligen Propheten des Islam und auch den etablierten Überlieferungen […] abgeleitet, steht über allem. In ihnen sind essenzielle Richtlinien für die Gesetzgebung enthalten und keine demokratisch gewählte Regierung kann diesen ausdrücklichen Willen ausschalten.

Erläuterung:

Wahrscheinlich hat es System, dass die Quelle des Originalzitats nicht auf dem AfD-Flyer angegeben ist. Das Zitat wurde nämlich absichtlich aus dem Zusammenhang gerissen und stammt aus dem Buch „Islam – Antworten auf die Fragen unserer Zeit“ (Verlag Der Islam, 2012), Seite 280. Das Buch ist kostenlos als PDF-Datei und in vollständiger Länge hier erhältlich: https://ahmadiyya.de/bibliothek/art/islam

Das Zitat behandelt inhaltlich die Umstände religiöser Verfolgung von Minderheiten, sowohl Christen, insbesondere aber Muslimen der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Pakistan. Eine demokratisch gewählte Regierung, die Minderheiten unterdrückt und Religionsfreiheit beschneidet kann sich nicht als „islamisch“ bezeichnen. Deshalb können solche „essentiellen Richtlinien“, wie sie im Koran enthalten sind nicht durch eine „demokratisch gewählte Regierung“ ausgeschaltet werden. Auch in Deutschland ist das nicht möglich. Das Grundgesetz kann dahingehend nicht geändert werden. Gerade diese Aussage scheint in besonderem Maße im Einklang mit dem deutschen Rechtsstaat zu stehen. Allerdings ging es hier um die Situation in Pakistan. Pakistan ist ein Land in dem nur nominell demokratische Strukturen herrschen, tatsächlich aber wird ein Großteil der Politik des Landes durch macht-politisch interessierte Religionsführer beherrscht, weshalb es in Pakistan faktisch keine Religionsfreiheit gibt, obwohl sie in der Verfassung des Landes festgehalten ist.

Fakt ist, dass es Muslimen der Ahmadiyya Muslim Jamaat mehrfach durch den Gründer der Gemeinde, sowie den späteren Khalifen verboten wurde, gegen eine Regierung die Religionsfreiheit gewährt, zu rebellieren.  Gerade dafür wurden Ahmadiyya-Muslime im früheren Indien und heutigen Pakistan auch oft durch muslimische Extremisten angefeindet.

Liest man den gesamten Kontext des Kapitels „Politischer Friede“, aus dem das Zitat stammt, wird deutlich, dass Hadhrat Mirza Tahir Ahmad, der Autor des Buches, die Regierungsform der Demokratie als besonders „islamisch“ lobt und z.B. Theokratien als besonders unislamisch darstellt. So heißt es auf Seite 274: „Dem Heiligen Qur‘an zufolge besitzen die Menschen die freie Wahl, irgendeine Regierungsform, die ihnen behagt, einzuführen. Demokratie, Souveränität, Stammes- oder Feudalordnungen sind einwandfrei, vorausgesetzt, dass sie vom Volk als das Brauchtumserbe ihrer Gesellschaft angesehen werden. Gleichwohl scheint es so, dass im Heiligen Qur-ân die Demokratie bevorzugt und äußerst empfohlen wird.“

Auch der 5. Kalif und aktuelles spirituelles Oberhaupt der weltweiten Ahmadiyya Muslim Jamaat sagte: „es [ist] für die Staatsangehörigen jedes Landes unentbehrlich, eine Beziehung von einzigartiger Loyalität und Treue zum eigenen Land aufzubauen. Dabei spielt es weder eine Rolle, ob man von Geburt an Staatsangehöriger ist oder ob die Staatsangehörigkeit später erlangt wurde, noch ist es wichtig, ob man sie durch Einwanderung erlangt hat oder durch andere Mittel und Wege.“ Und: „der Islam [lehrt] auch, dass unter keinen Umständen irgendeine Person das Gesetz in seine Hände nehmen darf, noch in irgendwelchen Plänen und Verschwörungen eingebunden werden darf, die gegen das Landgerichtet sind. Das ist eine absolut eindeutige und unmissverständliche Anweisung des Islam…Ein anderes Gesetz des Heiligen Korans in Bezug auf die Loyalität ist, dass man sich von allen Dingen fernhalten soll, die unanständig und unerwünscht sind und zur Rebellion führen.“ (vgl. Hadhrat Mirza Masroor Ahmad, Die Weltkrise und der Weg zum Frieden, Verlag DER ISLAM, Frankfurt, 2015, Seite 39-40)

Alles in Allem wird gerade bei diesem Zitat sehr deutlich, dass negative Stimmungsmache in der Absicht des Erstellers des Flyers lag. Einem unvoreingenommenen Leser wäre die deutliche Fürsprache für die freiheitlich-demokratie Grundordnung in diesem Buch aufgefallen. Bei anderen Fragen kann man von Missverständnissen ausgehen. Hier aber ist das absolut nicht mehr möglich. Eine richtig miese Aktion, lieber AfD Kreisverband Fulda.

In diesem Sinne: Keine Macht den Doofen!

Alles Liebe und Gottes Segnungen Euch und Ihnen allen,

Volker Ahmad Qasir

 

Über Volker Ahmad Qasir

Volker Ahmad Qasir, Fulda
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