Muslimische Lieder zu Weihnachten – NEIN! (…auch wenn eigentlich die BILD-Zeitung schuld ist!)

Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen des vergangenen Jahres 2014 war ein seltsamer Artikel in vielen Tageszeitungen zu lesen und auch in der Fuldaer Zeitung stand es auf der Titelseite: „Debatte um muslimische Lieder in Weihnachtsgottesdiensten“ (Fuldaer Zeitung vom 23.12.2014, Titelseite und Artikel auf Seite 2).

Zwar kam mir das Ganze schon von Anfang an sehr komisch vor, aber da man inzwischen ja schon so einiges an Schwachsinn gelesen und gehört hat, wundern solche Vorschläge auch nicht mehr besonders.

Tatsächlich hat sich aber dann doch herausgestellt, dass das Ganze eine Idee der BILD-Zeitung selbst war (vgl. „BILDblog“) und nicht die eines Politikers. Warum nicht, wenn man „Politik(er)verdrossenheit“ und die „schleichende Islamisierung des Abendlandes“ in einem Artikel ansprechen kann!? Und das auch noch jetzt, wo PEGIDA so gut läuft und die Spaltung der Gesellschaft immer stärker um sich greift!? Sowas regt auf und was aufregt bringt zumindest Umsatz!

Wie dem auch sei, der Leserbrief für die Zeitung war schon fertig. Da aber zwischen den Jahren zu viel los war, wurde mein Leserbrief zu dem Thema leider nicht mehr abgedruckt, weshalb ich ihn nun hier zum Besten geben möchte:

„Muslimische Lieder zu Weihnachten? – Ein absolutes: NEIN!“

Muslimische Lieder haben in Weihnachtsmessen nichts zu suchen. Mag sein, dass Weihnachten zwar hierzulande mehr ist, als ein rein christliches Fest. Dennoch ist es wichtig, dass sein identitätsstiftender christlicher Hintergrund bestehen bleibt – und zwar wichtig für Christen und Muslime gleichermaßen. Eine Vermischung islamischer Elemente in das christliche Weihnachtsfest zeugt entgegen aller Behauptungen nämlich gerade nicht von Verständnis, sondern vom Unverständnis religiöser Eigenheiten. Der Islam ist keine Kultur, sondern eine Religion. Man kann türkische, arabische oder persische Lieder im Weihnachtsgottesdienst singen, um die Akzeptanz anderer Kulturen zu demonstrieren, nicht aber islamische. Ein Amalgat von Christentum und Islam zu einem gemeinsamen Wischi-Waschi-Gottesdienst wird hingegen beiden Religionen nicht gerecht und würde folglich einem friedlichen Miteinander mehr schaden als dienen. Sicher ist es wichtig, die vielen Gemeinsamkeiten zu betonen. Genauso wichtig ist es aber auch, um die zahlreichen Unterschiede und Besonderheiten zu wissen und diese auch anzuerkennen, denn gerade sie haben für die Gläubigen beider Religionen eine wichtige identitätsstiftende Komponente. Erst hierdurch wird das Wissen um den eigenen Glauben gefestigt und erst dann kann man den Andersgläubigen und dessen Religion auch wirklich und aufrichtig tolerieren. Sinnvoller wäre hier z.B. eine direkte und gezielte Einladung muslimischer Gläubiger zum christlichen Weihnachtsgottesdienst in die Kirchen und im Umkehrschluss der Besuch christlicher Würdenträger zum Freitagsgebet während des Ramadans. In diesem Sinne wünsche ich als Muslim, auch wenn ich selbst das Weihnachtsfest nicht begehe, allen Christinnen und Christen ein gesegnetes und besinnliches Weihnachtsfest.

In diesem Sinne: Ein frohes Jahr 2015!

Allah Hafiz,

Volker Ahmad Qasir

Über Volker Ahmad Qasir

Volker Ahmad Qasir, Fulda
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Eine Antwort zu Muslimische Lieder zu Weihnachten – NEIN! (…auch wenn eigentlich die BILD-Zeitung schuld ist!)

  1. SalvaVenia schreibt:

    Sehr schön.

    Was mir ausnehmend gut gefällt, ist der Hinweis, man könne türkische, arabische oder persische Lieder sinden, indes keine muslimischen …

    Diese Definition bräuchte man für andere Bereiche bitte auch einmal. Dringendst!! 🙂

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