Weltanschauliche Verwirrungen – Frage 2/3: „Missionskriege“

In einem Leserbrief in der Fuldaer Zeitung wurden mir verschiedene Fragen zum Islam gestellt, die ich an dieser Stelle gerne beantworten möchte (vgl. hierzu: Weltanschauliche Verwirrungen – Frage 1; Weltanschauliche Verwirrungen – Frage 3):

Fuldaer Zeitung vom 23.12.2014

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Frage 2: Kann ein Muslim sich von den Missionskriegen wirklich distanzieren, die der Stifter seiner eigenen Religion, Mohammed, im Namen des Islam gegen Andersgläubige geführt hat, wenn er ihn doch für den Gesandten Gottes hält?

Die Formulierung der Frage unterstellt, dass der Prophet Muhammad (saw) und die Frühmuslime selbst Angriffskriege geführt hätten, mit dem Ziel, die Menschen zum Islam – und wenn auch nur rein äußerlich – zu „bekehren“.

Wie bereits ausführlich besprochen, herrscht im Islam Glaubensfreiheit (siehe hierzu Frage 1). Es wäre also stark widersprüchlich, würde der Prophet Muhammad (saw) entgegen seiner eigenen Lehre handeln. Der Islam erlaubt keine Angriffskriege, der einzige Krieg, der im Islam erlaubt ist, ist der Verteidigungskrieg, also Krieg mit dem Ziel, sein Leben und seinen Glauben zu verteidigen. Wenn Religionsfreiheit herrscht, ist kein Krieg erlaubt.

In der Frühzeit des Islam wurden die Muslime bis hin zum Tode des Propheten Muhammad (saw) immer wieder von verschiedenen Gruppen, hauptsächlich von den Götzendienern aus Mekka und der arabischen Halbinsel, aufgrund ihres Glaubens in kriegerische Auseinandersetzungen gezwungen. In sämtlichen Schlachten, ob bei Badr, Uhud oder später an der syrischen Grenze bei Mutah, wurden die Muslime direkt angegriffen oder mit dem Krieg bedroht. Diese Auseinandersetzungen sind allesamt gut belegt. Selbst der Eroberung Mekkas ging ein Verstoß gegen den Friedensvertrag von Hudaibiya seitens der Mekkaner voraus. Die Eroberung Mekkas verlief dann erwiesenermaßen weitestgehend friedlich ab, sodass niemand zu Schaden kam, der sich ergab. Selbst die größten Feinde des Islam wurden verschont, insofern sie die Muslime nicht bekämpften.

Welche Kriege also sollten das genau sein, die der Prophet Muhammad (saw) und die Frühmuslime geführt haben sollen, um Menschen zum islamischen Glauben zu zwingen?

Auch wird das den Rechtschaffenen Kalifen (Khulafa Ar-Raschidun) stets unterstellt, doch auch bei Umar (ra) z.B. gab es eine stete Bedrohung durch das Persische und das Römische Reich. Wie realistisch ist ein Angriffskrieg eines angeblich Machtbesessenen, solche Streitmächte anzugreifen, die um ein Vielfaches größer gewesen waren, als seine eigenen? Dies sind doch Vorstellungen, die eher geprägt sind von falschem Wunschdenken. Die Geschichte der (un-)christlichen Barbareien dürfen nicht mit der Geschichte der islamischen Ausbreitung gleichgesetzt werden. Interessanterweise fanden Andersgläubige gerade in islamischen Ländern, vor Allem während des Mittelalters, Zuflucht vor „Feuer und Schwert“ der (Un-)Christen. Leider ist auch dieser Teil der islamischen Lehre und Geschichte aktuell in sogenannten „islamischen Ländern“ eher in Vergessenheit geraten.

Wahre Gläubige wissen, dass durch Zwang und Angst nur Heuchler entstehen können, nicht aber wahre gläubige Muslime. In diesem Zusammenhang sei ein wundervolles Zitat des vierten Oberhaupts der Ahmadiyya Muslim Jamaat erlaubt, der einst sagte:

„Swords can win territories but not hearts, forces can bend heads but not minds.“ (Hadhrat Mirza Tahir Ahmad)

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Über Volker Ahmad Qasir

Volker Ahmad Qasir, Fulda
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4 Antworten zu Weltanschauliche Verwirrungen – Frage 2/3: „Missionskriege“

  1. Volker Ahmad Qasir schreibt:

    Passend hierzu auch der Kommentar eines guten Freundes als Beitrag zu einer differenzierteren Betrachtung (Zur Eroberung Persiens durch die Muslime): https://salvaveniaxxl.wordpress.com/2015/06/24/salvas-erwiderungen-warum-wurde-persien-letztendlich-muslimisch/

  2. Pingback: Fuldaer Zeitung: Leserbrief “Verzerrtes Islambild” | www.Qasir.de

  3. Pingback: Weltanschauliche Verwirrungen – Frage 1/3: Krieg gegen die “Ungläubigen” | www.Qasir.de

  4. Pingback: Weltanschauliche Verwirrungen – Frage 3/3: Das Verhältnis von Scharia zum deutschen Rechtssystem | www.Qasir.de

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