Angriffe auf das Moscheegrundstück in Fulda – eine persönliche Stellungnahme

Nach einem abgeschlagenen Schweinekopf im Januar und islamfeindlichen Parolen im Februar ist dies nun der dritte Angriff auf unser Moscheegelände in Fulda. Das Beängstigende dabei ist, dass die Intensität der Straftaten stetig zunimmt. War ersteres noch Hausfriedensbruch, handelte es sich bei den Graffitis schon um eine leichte Form der Sachbeschädigung, während die nun eingeschlagenen Scheiben am Gebäude, die Beschädigungen des auf dem Gelände geparkten Autos und die gestohlenen Geräte eine deutlich gestiegene Gewaltbereitschaft signalisieren.

Ungeachtet dieser Taten, die eine deutliche islam- und ausländerfeindliche Sprache sprechen, hat sich die Ahmadiyya Muslim Jamaat in Fulda dazu entschieden, diese Dinge nicht in die Öffentlichkeit zu tragen, um nicht eine „Opferrolle“ einzunehmen und auch den Tätern kein Forum zu bieten. Angesichts der stetig ansteigenden Gewaltbereitschaft halte ich es jedoch für notwendig, zu den genannten Vorfällen ganz persönlich Stellung zu nehmen.

Zunächst einmal ist die richtige wie islamische Reaktion die, Hass nicht mit Hass zu beantworten und so dem Ziel der Straftäter, nämlich in der Gesellschaft Unruhe zu stiften, auch noch ungewollt Vorschub zu leisten. Der Islam lehrt, stets geduldig zu sein und Frieden zu verbreiten. So heißt es im Heiligen Koran:

„Gut und Böse sind nicht gleich. Wehre (das Böse) mit dem ab, was das Beste ist. Und siehe, wenn Feindschaft zwischen dir und einem anderen war, so wird der wie ein warmherziger Freund werden.“ (Sure 41, Vers 35)

In diesem Zusammenhang wird auch von einer Begebenheit im Leben des Heiligen Propheten Muhammadsaw berichtet. Der Prophetsaw hatte einen nichtmuslimischen Nachbarn, der ihm täglich Müll vor seine Haustüre warf, um dadurch Abneigung dem Islam gegenüber zu demonstrieren. Eines Tages lag jedoch kein Müll vor der Tür und der Prophetsaw erfuhr, dass der Nachbar krank geworden war. Der Prophetsaw besuchte daraufhin seinen Nachbarn und betete für dessen Genesung.

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat weiß um die Toleranz und Zuneigung der Fuldaer Bevölkerung. Die deutliche Mehrheit ist christlichen und nicht islamischen Glaubens und auch haben einige Bürgerinnen und Bürger durchaus Vorbehalte dem Islam gegenüber. Umso wertvoller sind die zahlreichen Glück- und Segenswünsche zu bewerten, die wir während des Gründstückskaufs, sowie zur Grundsteinlegung der Moschee erhalten haben. Es ist uns Muslimen daher sehr bewusst, dass die Fuldaer mehrheitlich positiv gestimmt sind und daher lassen wir uns auch nicht von einer Handvoll Jugendlicher von dieser Meinung abbringen. Im Gegenteil. Man kann leicht erkennen, dass sich die Jugendlichen, die diese Straftaten verübt haben, mit einer politischen Bewegung identifizieren, die dem rechten Spektrum zuzuordnen ist, auch wenn diese stets bemüht ist, sich in ein anderes Licht zu rücken. Richtig ist zweifelsohne, dass die Liebe zur Heimat und die Liebe zum eigenen Land eine wichtige, identitätsstiftende Komponente beinhaltet. Wer aber die Liebe zur Heimat mit dem Hass auf scheinbar „Fremdes“ verwechselt, beweist damit, dass er eben zu wenig Heimatliebe aufbringt, sodass er diese mit Fremdenhass kompensieren muss. Wer sich seiner eigenen Identität nicht bewusst ist, muss andere Personen brandmarken, um von seiner Unfähigkeit zur Identitätsbildung abzulenken. Im Gegensatz dazu hat die Ahmadiyya Muslim Jamaat mehrfach deutlich Stellung dazu bezogen, dass Muslimsein Heimatliebe beinhaltet.

Folglich sind wir Muslime nicht nur dazu angehalten, unsere (z.T. auch neue) Heimat zu lieben, sondern die Liebe zu Deutschland und insbesondere zu Fulda wird geradewegs zur religiösen Pflicht – oder um es mit den Worten des Gründers unserer Gemeinde zu sagen:

„Ein wirklicher Muslim, dem die Lehren seines Glaubens bewusst sind, wird sich immer aufrichtig und loyal dem Land gegenüber verhalten, unter dessen schützendem Schatten er in Frieden lebt. Der Glaubensunterschied hält ihn nicht davon ab, seiner Regierung in Treue verbunden zu sein.“ (Hadhrat Mirza Ghulam Ahmadas)

———————————————————————————————————————————– Hinzugefügt (17.04.2014):  LINK zum Interview: Angriffe auf Moscheegelände (Move36)

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Über Volker Ahmad Qasir

Volker Ahmad Qasir, Fulda
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3 Antworten zu Angriffe auf das Moscheegrundstück in Fulda – eine persönliche Stellungnahme

  1. Volker Ahmad Qasir schreibt:

    Nach einem längeren Bericht von Move36 in unserem Regionalblatt „Marktkorb“ am 13.04.2014 hat sich die Identitäre auf Facebook über mich beschwert:

    Zitat:
    „Sehr geehrter Herr Qasir, was Sie hier verbreiten ist Rufmord. Schade das uns noch keine rechtlichen Mittel zur Verfügung stehen um uns gegen Ihre Beschuldigungen zu wehren. Wir distanzieren uns ausdrücklich von Ihren Behauptungen, wir seien rechtsradikal, wir hätten Graffitis an Ihre Moschee gesprayt und das wir mit der NPD in Verbindung gebracht werden. Was sollen diese Frechheiten? Wenn Sie sich auch nur einmal Ansatzweise mit unserer Bewegung befasst hätten, hätten Sie Ihre sehr dummen und völlig haltlosen Beschuldigungen nicht so vollmundig in der Zeitung kund getan. Wenn uns zukünftig die Rechtsmittel zur Verfügung stehen, werden wir gegen solche Unverschämtheiten gerichtlich vorgehen. Ihre Behauptungen sind eine Beleidigung für unsere Mitglieder. Sie unterstellen Jugendlichen, denen ihre Heimat und ihre Kultur am Herzen liegt Dinge, die einfach nicht stimmen. Hätten Sie uns einmal gefragt, hätten wir das mit Ihnen klären können, doch der Dialog mit anderen Kulturen und Meinungen, war ja noch nie die Stärke des Islam.“

    Hierzu nur ein paar Sachen:
    1.) Ich habe weder Rufmord verbreitet, noch gesagt: „Die Identitäre war das!“. Ich habe gesagt – und das wurde auch so korrekt widergegeben – , dass das gesprayte IB-Logo daraufhin deutet, dass sich der Täter zumindest mit der IB identifiziert. Ob es einer von der IB war oder nicht, weiß ich nicht und ist mir auch egal. Es war zumindest ein islamfeindlicher Idiot!

    2.) Die IB wird oft mit der NPD in Verbindung gebracht. Nicht unbedingt von mir. Allerdings deutet die Nachahmungstat mit dem Schweinekopf auf NPD-Nähe hin, denn die NPD hat genau eine solche Schweinekopf-Aktion in Leipzig abgezogen, nachweislich!

    3.) Der Dialog mit „anderen“ Kulturen und Meinungen… welche „anderen“ Kulturen sollen das sein? Meine Kultur ist DEUTSCH und meine Religion ist ISLAM. Ich habe nichts mit anderen Kulturen zu schaffen, sei es die türkische, pakistanische, arabische, albanische oder andere. Deutschland ist meine Heimat und von daher geht es nicht um irgendeine „Kultur“. Auch wenn es allgemein üblich ist, „Islam“ mit anderen „Kulturen“ zusammen zu nennen, sollte es doch strikt beachtet werden, dass es zwei unterschiedliche Dinge sind, auch wenn das manche Muslime ebensowenig trennen können wie manche Nicht-Muslime.

    4.) Dialog? Ich habe einen Blog und der ist für jeden erreichbar. Meine Email-Adresse steht für jeden Sichtbar im Impressum. Das kann man von einem Posting bei Facebook nicht gerade behaupten. Wenn die IB oder eine Privatperson an einem Dialog interessiert ist: meldet euch gerne. Ich kenne allerdings die islamfeindliche Position, auch wenn ich nicht verstehe, was Heimatliebe mit Islamfeindlichkeit zu tun haben soll.

  2. SalvaVenia schreibt:

    Es spricht die Macht der Feder, besonnen und mit treffendem Worte. Danke dafür!

  3. Kamran Butt schreibt:

    Dieser Ansicht kann ich nur zustimmen.
    Ich hoffe, dass die Täter endlich merken, dass sie so Ihrem Land nicht helfen, sondern vielmehr schaden. Durch solche Taten identifiziert man sich selbst nicht mit Deutschland, sondern bringt andere Menschen dazu, Deutschland mit solchen Taten zu identifizieren. Dies können wir Ahmadi- Muslime, die Deutschland aufrichtig lieben, in keinster Weise tolerieren.

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