Fuldaer Zeitung: Leserbrief „Scharia und das islamische Recht“

„Scharia und das islamische Recht“ (Leserbrief) – Zum Artikel „Erneut Massaker an Christen in Nigeria“, Fuldaer Zeitung vom 18.02.2014

Die aus Sicht von Extremisten falsche Religionszugehörigkeit lässt immer wieder Menschen zur Zielscheibe von Angriffen werden. Als noch hässlicher offenbart sich solches allerdings, wenn sich diese Extremisten dann noch mit ihren Schandtaten brüsten und sie als gottgefällige Tat hinzustellen versuchen. Die ach so edlen Motive der Extremisten zeigen sich in ihren Folgetaten: Plünderung und exzessive Gewaltausübung – nicht im Namen Allahs, sondern im Namen zutiefst egoistischer Motive. Sie treten die Lehren des Islam und das Vorbild des Propheten Muhammads mit Füßen. Als Muslim schäme ich mich zutiefst, dass es solche Extremisten gibt, die absolut nichts Menschliches aufblitzen lassen.

Die Extremisten möchten mittels ihrer Taten eine „Scharia“ einführen, ein Schlagwort, das viele Ängste und Stereotype bedient – und zwar sowohl unter Nicht-Muslimen als auch unter den Muslimen selbst. Tatsächlich existiert „die“ Scharia nämlich gar nicht. Als Scharia bezeichnet man die Gesamtheit geoffenbarter religiöser und sozialer Gebote im Islam. Und während die religiösen Gebote konkret formuliert sind, werden die sozialen Gebote mit allgemeinen Prinzipien untermauert, welche dann bei der Erstellung des konkreten islamischen Rechts (Fiqh) von den Rechtsgelehrten berücksichtigt werden müssen. Daher war das islamische Recht schon seit der Frühzeit des Islam Grundlage leidenschaftlicher Debatten und seine Ausformung unterschied sich je nach Zeit und Ort sehr stark. Allein die vier großen sunnitischen Rechtsschulen veranschaulichen diese durchaus gewollte islamische Meinungsvielfalt auf wundervolle Art.

Es gibt also nur einen Rückschluss: Muslime, die die Einführung „der Scharia“ fordern sind entweder bar jeglichen islamischen Wissens oder aber machthungrig. Vermutlich ist eine gefährliche Mischung aus beidem äußerst zutreffend.

ABGEDRUCKT in der Fuldaer Zeitung vom 22. Februar 2014 unter dem Titel “Ich schäme mich als Muslim”

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Über Volker Ahmad Qasir

Volker Ahmad Qasir, Fulda
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Eine Antwort zu Fuldaer Zeitung: Leserbrief „Scharia und das islamische Recht“

  1. SalvaVenia schreibt:

    Gut gebrüllt, Löwe!

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