Gute Gründe, der Christenheit zu danken!

Laut einem aktuellen Bericht des internationalen katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ werden weltweit etwa 100 Millionen Christen aufgrund ihres Glaubens verfolgt – nicht wenige davon in Ländern, die sich selbst als „islamisch“ bezeichnen. Weiter befeuert wird dieses durch so genannte „Gelehrte“ des Islam, die sich nicht scheuen,  offen zur Zerstörung von Kirchen aufzurufen oder über das Internet Menschen christlichen Glaubens ebenso zu diffamieren wie solche Muslime, die sich mit den verfolgten Christen solidarisieren.

Ein solch beschämendes und asoziales Verhalten widerspricht nicht nur dem Islam (vgl. Sure 22, Vers 41), den solche Hassprediger durch ihre dummen Äußerungen auch noch glauben zu unterstützen, sondern vielmehr wird auch deutlich, dass wir heute in einer Zeit der Unwissenheit leben, die einst vom Heiligen Propheten Muhammadsaw vorhergesagt wurde, als er sagte:

„Eine Zeit wird kommen, wenn vom Islam nichts anderes mehr übrig bleiben wird als sein Name, und vom Heiligen Koran nichts übrig bleiben wird als seine Buchstaben. Die Moscheen werden voller Anbeter sein; was jedoch die Rechtschaffenheit angeht, werden sie leer und verlassen sein. Ihre Ulema (Religionsgelehrten) werden die schlimmsten aller Kreaturen unter dem Firmament des Himmels sein. Üble Verschwörungen werden von ihnen ausgehen; und zu ihnen werden sie zurückkehren.“  (Mishkat, Kitabul Ilm, Band I, S. 91)

Dabei ist es nicht nur offensichtlich, dass diese selbsternannten „Religionsgelehrten“ schlimme Kreaturen sind, die ein übles und verschwörerisches Verhalten (nicht nur) gegenüber christlichen Minderheiten an den Tag legen, sondern ebenso offensichtlich ist auch, dass sie keine Ahnung von den islamischen Geboten oder von der Sunnah des Heiligen Propheten Muhammadssaw und der seiner Gefährten haben.

Der Islam gebietet Glaubens- und Gewissensfreiheit

Denn zunächst einmal verbietet es der Islam ganz grundsätzlich, Menschen aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Meinung zu bedrohen oder gar zu verfolgen. Die Frühmuslime sahen sich seitens der mekkanischen Mehrheitsgesellschaft selbst Unterdrückung und Verfolgung ausgesetzt und alleine deshalb schon sollte jeder wahre Muslim derartiges Verhalten gegenüber anderen Minderheiten ablehnen. Für Solche, die diese Transferleistung jedoch nicht zustande bekommen, steht deutlich und mehrfach im Heiligen Koran, dass es keinen Zwang in Glaubensdingen geben darf (z.B. Sure 2, Vers 257) – oder für ganz Begriffsstutzige die konkrete Anweisung:

 „Die Wahrheit ist es von eurem Herrn: darum lass den gläubig sein, der will, und den ungläubig sein, der will.“ (Sure 18, Vers 30)

Die praktische Umsetzung dieser Gebote spiegelt sich naturgemäß im Verhalten des Heiligen Prophetensaw wider. Eines der deutlichsten Beispiele für den großen Respekt, den der Prophetsaw den christlichen Bürgern seines islamischen Staates entgegenbrachte, ereignete sich im Jahr 628. Eine Delegation koptischer Christen aus dem ägyptischen Katharinenkloster kam zum Heiligen Prophetensaw und bat ihn um seinen Schutz. Der Prophetsaw verfasste daraufhin ein Schreiben in Form eines Vertrags, in dem er sich allen christlichen Bürgern des islamischen Staates gegenüber verpflichtete, diese zu beschützen und sollte irgendjemand die hierin genannten Rechte verletzen und somit den Schutzbefehl des Propheten missachten, würde dieser entsprechend zur Rechenschaft gezogen werden. (Für weitergehende Informationen möchte ich auf den wundervollen Artikel “Prophet Muhammad’s Promise to Christians“ von Prof. Dr. Muqtadar Khan verweisen. Online auf: www.middle-east-online.com/english/?id=36388)

Es ist unsere muslimische Pflicht, der Christenheit zu danken

Über die bloße Wahrung von Glaubens- und Gewissensfreiheit hinaus finden wir im Heiligen Koran aber auch einige Aussagen über das besondere Ansehen solcher Christen bei Allah, die ihrer Religion aufrichtig folgen. So wird gesagt, dass der Gott der Christen und der Gott der Muslime der gleiche Gott ist (Sure 29, Vers 47) und dass folglich auch Christen in den Himmel kommen, wenn Sie gläubig sind und gute Werke tun (Sure 2, Vers 63). Weiter hat Allah in die Herzen derer, die Jesusas folgen „Güte und Barmherzigkeit“ gelegt (Sure 57, Vers 28) und…

„…dass die, welche sagen „Wir sind Christen“, den Gläubigen am freundlichsten gegenüberstehen. Dies, weil unter ihnen Gottesgelehrte und Mönche sind und weil sie nicht hoffärtig sind.“ (Sure 5, Vers 83)

In diesem Artikel soll es aber nicht darum gehen, dass Christen oder Andersgläubige nicht nur nicht verfolgt werden dürfen oder zu sagen, dass Christen „auch“ gute Menschen sein „können“. Beides sollte sich in einer Gesellschaft wie der unserigen von selbst verstehen – und für die meisten Muslime tut es das auch. Vielmehr soll es darum gehen, uns als Muslime daran zu erinnern, dass gerade in der Frühzeit des Islam einige rechtschaffene Christen den Muslimen geholfen und damit den Islam aktiv unterstützt haben. So war es der ebionitische Christ Waraka bin Naufal, Priester und Cousin Khadijasra, der dem Heiligen Propheten Muhammadsaw nach dessen ersten Offenbarung Mut zusprach und ihm versicherte, dass er die schwere Aufgabe, die Gott ihm übertragen würde meistern werde und als die Muslime in Mekka aufgrund ihres Glaubens verfolgt wurden, war es Sahama, der christliche König von Abessinien (dem heutigen Äthiopien), der viele Muslime unter Rückbezug auf seinen eigenen christlichen Glauben bei sich aufnahm, um sie so dem Zugriff der feindlichen mekkanischen Polytheisten zu entziehen.

Hierfür sind wir explizit diesen Christen, aber auch der gesamten Christenheit zu Dank verpflichtet. Nicht nur, weil es einzelne Christen gab, die den Islam unterstützten, sondern schlichtweg, weil das Christentum als Wegbereiter für den Islam eine gewichtige Rolle einnimmt, indem es die Idee des Monotheismus durch die Überlieferungen und Lehren Jesuas in die Welt hinaus getragen hat.

Natürlich gibt es aber auch gravierende theologische Unterschiede, über die wir nicht hinwegsehen, die wir nicht schönreden und die wir auch nicht unter den Tisch fallen lassen können. Doch gerade darin liegt die große Prüfung des Lebens, nämlich sich in Geduld zu üben, sich einander zu tolerieren und sich gegenseitig als Geschöpf Gottes anzusehen und zu behandeln. Auch früher schon gab es diese Unterschiede, aber dennoch hinderte dies nicht die Frühmuslime daran, Christen als Ahl-e-Kitab (Volk der Schrift) zu achten, sie zu respektieren oder Bündnisse und Freundschaften mit ihnen einzugehen. Und auch später, in den schwierigen Zeiten des Mittelalters, galten viele islamische Zentren, z.B. in Damaskus oder im spanischen Andalusien, als Stätten der interreligiösen Toleranz und als Vorzeigebild eines respektvollen Mitteinanders und eines sich gegenseitig bereichernden Umgangs zwischen Juden, Christen und Muslimen.

Woher kommt der Hass auf das Christentum heute?

Das Problem ist also nicht die islamische Lehre, sondern vielmehr scheint es etwas anderes zu sein: Denn seit dem Mittelalter treten christliche Nationen politisch als mächtige Eroberer auf, die stets auch muslimische Länder bekämpft haben. Ob Kreuzzüge, die barbarischen Ausbeutungen während der Kolonialzeit und die darauf folgenden Missionierungsversuche in den unterjochten Gebieten oder die bis heute anhaltenden Angriffskriege z.B. einer sich selbst als christlich verstehenden USA – „christliche Werte“ wurden nicht selten als Rechtfertigungsgrund zur Unterdrückung anderer Völker herangezogen und als Rechtfertigung dazu, mit zweierlei Maß messen zu dürfen. Heute sind es die mächtigen Industriestaaten, die zwar christlich geprägt sind, bezogen auf ihre Außenpolitik jedoch bleibt dieses stark anzuzweifeln. Die Leidtragenden dieses zutiefst unchristlichen Verhaltens sind die ausgebeuteten Länder und deren christliche Minderheiten, die als greifbarer Sündenbock für die außenpolitischen Verfehlungen der äußerlich „christlichen“ Industriestaaten herhalten müssen.

Das alles aber entlastet uns Muslime und die muslimischen Länder nicht, im Gegenteil. Der Islam rückt die Christen als Ahl-e-Kitab in die Nähe Gottes und verlangt ihnen gegenüber Respekt.  Muslime dürfen nicht mit zweierlei Maß messen, auch dann nicht, wenn sie selbst mit zweierlei Maß gemessen werden. Gott ist mit den Geduldigen und Schwachen, nicht mit den Extremisten. Der Unterschied zwischen wahren Christen, die ihren Glauben in Frieden leben und sich an die Gebote der Bibel halten und solchen rein äußerlich „christlichen“ Regierungen, die entgegen den Geboten des Christentums Unfrieden in die Welt tragen, muss inzwischen mehr denn je gemacht werden.

Wir leben heute in einer Gesellschaft, die eigentlich jegliche Unterteilung von Menschen in Gruppen und Kategorien überwunden haben sollte. Schwarz und weiß, gläubig und „ungläubig“ oder eben „Christen“ und „Muslime“ – all das sind Gruppeneinteilungen oder Kategorien, die uns einerseits ein Zugehörigkeitsgefühl geben, andererseits aber auch dazu führen, dass bestimmte Menschen aus unserer Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Die Grenze verläuft nicht (mehr?) zwischen Muslimen und Christen, sondern sie verläuft zwischen Extremisten und Gemäßigten. Ein gläubiger Christ, der die Nähe Allahs sucht ist einem gläubigen Muslim näher als ein Extremist, egal welcher Religion dieser angehört. Dies lehrt uns schon die Bezeichnung „Muslim“, welche nämlich gerade nicht an eine bestimmte Religionszugehörigkeit gebunden ist, sondern die allgemeine Bezeichnung für einen „gottergebenen“ Menschen ist. Oder um es mit den Worten Jalalluddin Rumis zu sagen:

„Was soll ich tun, o ihr Muslims? Ich kenne mich selber nicht mehr – heute bin ich weder Christ noch Jude auch Parse und Muslim nicht.“

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Über Volker Ahmad Qasir

Volker Ahmad Qasir, Fulda
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