Fuldaer Zeitung: Leserbrief-Antwort „Provokant zurückfragen“

„Provokant zurückfragen“ (Leserbrief)eine Antwort auf den Leserbrief: „Sind das unsere Werte?“, Fuldaer Zeitung vom 11.06.2013

Vorherrschende Probleme bei extremistischen Gruppierungen können unmöglich als Maßstab für alle „Muslime“ herhalten. Gerade die Ahmadiyya verfügt über eine eigene Frauenorganisation, bei der muslimische Frauen sich selbst organisieren und innerhalb dieser sie sich (unabhängig davon wie stark sie verschleiert sind) in ehrenamtlichen Tätigkeiten engagieren und am kulturellen Leben in Fulda teilnehmen. Aber wie wusste schon Albert Einstein treffend zu sagen: Es ist einfacher, ein Atom zu spalten, als ein Vorurteil.

Warum das so ist, liegt in der Natur der Sache, denn ständig hat man den Eindruck, ein einmal gefasstes Vorurteil würde ständig bestätigt werden. Das ist so, weil unsere Beobachtungen hierbei keiner wertfreien, sonder einer bereits vorverurteilenden Wahrnehmung unterliegen. Beispiel sei die prominente wie abgedroschene Kopftuchdiskussion. Da muslimische Frauen von vornherein als „unterdrückt“ wahrgenommen werden, wird auch das Kopftuch in diesem Kontext zum Symbol ihrer angeblichen Unterdrückung, was wiederum diese Unterdrücktheit bestätigt. Ein gedanklicher Teufelskreis entsteht. Tatsächlich erfordert es doch vielmehr eine gehörige Portion an Selbstbewusstsein, um das Kopftuch in der hiesigen Gesellschaft zu tragen. Das Fremdbild über die muslimische Frau steht folglich dem Selbstbild vollkommen entgegen, wonach muslimische Frauen ihr Kopftuch als religiöses Symbol und als ihnen Sicherheit vermittelndes Kleidungsstück verstehen (vgl. Muslimisches Leben in Deutschland, 2009). Folglich sind es also nicht die Muslime oder der Islam, sondern eher die „Kopftuchgegner“, die die muslimische Frau „unterdrücken“.

Nicht der Islam hindert muslimische Frauen daran, arbeiten zu gehen oder sich in der Öffentlichkeit alleine und frei zu bewegen, sondern in den Staatsdienst oder in der freien Wirtschaft werden sie deshalb nicht eingestellt oder aus Teilen der Gesellschaft ausgegrenzt, weil sie Kopftuch tragen. Provokant könnte man also zurückfragen: Sind denn das „unsere Werte?“

ABGEDRUCKT in der Fuldaer Zeitung vom 18. Juni 2013 unter dem Titel „Provokant zurückfragen“

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Über Volker Ahmad Qasir

Volker Ahmad Qasir, Fulda
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Eine Antwort zu Fuldaer Zeitung: Leserbrief-Antwort „Provokant zurückfragen“

  1. SalvaVenia schreibt:

    Genau. Man sollte bloß mal die Großmütter und Urgroßmütter dieser zeitgenössischen Protagonisten befragen, warum und aus welchen Gründen sie denn damals Kopftuch getragen haben … Hier wird immer sehr schnell deutlich, daß es weder um das Verständnis geistiger Mechanismen geht, geschweige denn um die Suche nach Aufklärung und gegenseitiger Menschenliebe.

    Ist halt so ein Problem, mit der altehrwürdigen Bergpredigt, wenn es dort heißt, „liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Gibt ja heutzutage kaum noch jemanden mehr, der wüßte, wie man sich selbst liebt …, oder …?

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