Islamischer Religionsunterricht in Hessen

Islamischer Religionsunterricht in Hessen – Endlich kommt, was längst überfällig ist.

Trotz der allgemeinen Tendenz, Religion und insbesondere auch den Islam aus dem öffentlichen Raum zu verbannen, hat Hessens Regierung an der Einführung des islamischen Religionsunterrichts festgehalten. Gott sei Dank, kann man da nur sagen. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand, denn schulischer Religionsunterricht ist generell sehr wichtig und zwar unabhängig von dessen konfessioneller Ausrichtung. Als praktische Umsetzung der im Grundgesetz verankerten Religionsfreiheit trägt er nicht nur zum Verständnis von Religion bei, sondern darüber hinaus leistet er auch einen Beitrag zum kulturgeschichtlichen und gesellschaftlichen Weltverstehen, welches ohne den Einbezug von Religion nur schwer zu vermitteln ist. Weiter bietet der Religionsunterricht in der Schule den notwendigen Raum, damit sich der Mensch mit dessen Selbsterkenntnis befassen kann. Fernab von systembedingtem und sozialem Leistungsdruck vermittelt gerade der Religionsunterricht moralische Werte, welche bedingt durch die Entwicklungen unserer Gesellschaft immer wieder Gefahr laufen, vernachlässigt zu werden.

In Bezug auf den Islam gibt es in Deutschland Nachholbedarf, denn dieser galt im Gegensatz zu den jüdischen und christlichen Konfessionen in Deutschland bisher nicht offiziell als Religion. Dies war neben der organisatorischen Uneinigkeit der verschiedenen islamischen Verbände vor Allem einer generellen Angst vor dem Islam geschuldet, da diesem noch immer vorgeworfen wird, sowohl mit den Grundwerten einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsordnung als auch mit den universellen Menschenrechten nicht vereinbar zu sein.

Gerade hierin offenbart sich paradoxerweise die besondere Notwendigkeit des islamischen Religionsunterrichts in Deutschland, denn während man im universitären Bereich deutlich zwischen verschiedenen Auslegungen und Strömungen innerhalb der islamischen Glaubenslehre trennt, erscheinen diese in der alltäglichen Wahrnehmung als große und bedrohliche Einheit, bei der insbesondere muslimische Extremisten (Terroristen, Frauenschläger, ultraorthodoxe Salafisten) aufgrund ihrer Darstellung als Aushängeschild für den Islam und die Muslime wahrgenommen werden, wenngleich sie nachweißlich eine deutliche Minderheit bilden, deren Ansichten darüber hinaus oftmals von der eigentlichen Mehrheit der Muslime deutlich abgelehnt, wenn nicht sogar bekämpft wird. Für die in der Diaspora lebenden jugendlichen Migranten, die hierzulande als Ausländer gelten, in ihren ehemaligen Heimatland aber ebenfalls als Ausländer, weil sie aus Deutschland kommen, erfährt der Islam oder besser gesagt, das in der öffentlichen Wahrnehmung vertretene Bild eines ganz bestimmten Islam, jedoch zunehmend eine sinn- und identitätsstiftende Bedeutung. Orientiert sich diese Identitätssuche an islamischen Hass- und/oder Laienpredigern, welche zudem von den Medien weitgehend als muslimisches Paradebeispiel präsentiert werden, kann dies sowohl das Verständnis der islamischen Glaubenslehre als auch das gesellschaftliche Zusammenleben mit Andersgläubigen (und –Denkenden) gefährden.

Diesem kann der Islamunterricht entgegenwirken, da sich die muslimischen Schülerinnen und Schüler, bzw. Jugendlichen, hier nicht nur mit ihrer eigenen kulturellen und religiösen Identität auseinandersetzen, sondern darüber hinaus die Fähigkeit entwickeln, zwischen Schwarz-Weiß-Malerei und pluralistischer Wirklichkeit zu unterscheiden. Die muslimischen Schülerinnen und Schüler würden also den Islam und seine Vielfalt selbst kennen lernen, anstatt sich von wenigstens teilweise politisch motivierten „Führern“ die “einzig wahre“ Deutung erklären zu lassen.

Kurzum: Der islamische Religionsunterricht vermittelt muslimischen Kindern und Jugendlichen Wissen über die eigene Religion, wodurch diese weniger anfällig für Extremismus und politischen Missbrauch ihrer Religion sind. Hierdurch leistet der islamische Religionsunterricht einen wertvollen Beitrag zur Herausbildung mündiger Bürgerinnen und Bürger und somit zur Förderung eines pluralistischen und von gegenseitigem Respekt geprägten gesellschaftlichen Klimas in Deutschland.

http://www.ahmadiyya.de/news/blog/art/islamischer-religionsunterricht-in-hessen/

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Über Volker Ahmad Qasir

Volker Ahmad Qasir, Fulda
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3 Antworten zu Islamischer Religionsunterricht in Hessen

  1. SalvaVenia schreibt:

    Noch besser wäre wahrschenlich nur ein übergreifender, sogenannter konfessionsloser Unterricht, in dem die allgemeingültgen menschlichen Werte vermittelt würden. Das hätte den Vorteil, daß die Klassengemeinschaft als homogene Gruppe nicht plötzlich aufgespalten würde, weil es für die Anhänger unterschiedlicher Konfessionen plötzlich einen jeweils separaten Unterricht gäbe.

    • Volker Ahmad Qasir schreibt:

      Der Meinung bin ich grundsätzlich auch. Sozusagen interkultureller Dialog als Unterrichtsfach – Die Umsetzung scheint mir aber (zunächst) eher schwierig, daher doch vorerst lieber erst einmal konfessionsbezogen. Aber die Zukunft kann anders und besser aussehen.

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