Fuldaer Zeitung: Leserbrief „Kein Spiegel für Tugenden“

„Kein Spiegel für Tugenden“ (Leserbrief) – Zur Papst-Vorlesung, Fuldaer Zeitung vom 20.09.2006

Wenn jemand ein Zitat in der Art und Weise gebraucht wie Papst Benedikt XVI., kann man davon ausgehen, dass das Zitierte der Meinung des Redners entspricht. Mir ist klar, dass jeder Christ Jesus als das Höchste ansieht, und es verärgert mich in keiner Weise, dass viele Menschen wenig über die überragenden Eigenschaften des Heiligen Propheten Mohammed wissen. Dies fällt unter die Glaubensfreiheit, die durch den Propheten eben oft verteidigt wurde und auch im Koran mehrmalige Erwähnung findet („Lass den gläubig sein, der will, und den ungläubig sein, der will“ [Sure 18, Vers 30]).

Mich verärgert einzig und allein die Tatsache, dass Unwahrheiten und beleidigende Unwahrheiten über unseren über alles geliebten Propheten Mohammed verbreitet werden, wie die zitierte Aussage „und da wirst du nur Inhumanes finden, wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben durch das Schwert zu verbreiten“.

Die Neuerungen des Propheten anzunehmen oder nicht, ist eine Sache des Glaubens, und „Es soll kein Zwang sein im Glauben“ (Sure 2, Vers 257). Jedoch gerade diese durch den Propheten gepredigte Glaubensfreiheit wird geleugnet und eine Verbreitung des Glaubens mit Gewalt unterstellt. Ich gebe zu, dass die muslimische Welt kein Spiegel ist für die oben genannten Tugenden, die vom Propheten und dem Koran gelehrt werden. Dass die Mehrheit der Muslime eines Tages den Islam nicht mehr versteht und leben wird, prophezeite der Prophet sogar selbst. Umso schlimmer finde ich diese Unterstellungen, der Prophet könnte für menschenverachtende Taten, Judenhass et cetera verantwortlich sein.

Für mich bleibt es ein Rätsel, wie mir jemand, der an das Hinaufschweben eines lebendigen Menschen in den Himmel glaubt, erklären möchte, was Vernunft ist. Ebenso, wie ich die Annahme, ein Mensch könne die Sünden eines anderen, geschweige denn die aller Menschen, tragen, für gleichfalls unvernünftig halte.

Das sind Glaubensfragen, aber ich würde es mir nicht herausnehmen, andere Leute aus Unwissenheit auf eine so niveaulose Art zu beleidigen, wie es der Papst getan hat.

 

ABGEDRUCKT in der Fuldaer Zeitung vom 20. September 2006 unter dem Titel “Kein Spiegel für Tugenden”

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Über Volker Ahmad Qasir

Volker Ahmad Qasir, Fulda
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